Warum die Staatsbürokratie so wenig leistet und wie sie reformiert werden könnte (TeilI)

Von Wolfram Engels

Einen Staat kann man entweder bürokratisch oder dilettantisch, verwalten. Dieser Satz von Max Weber ist noch heute richtig. Die populäre Diskussion unserer Tage verfehlt das Problem. Bürokratie ist kein Übel, sondern die einzig rationale Organisationsform staatlicher Verwaltung. Die Klischees vom faulen oder entscheidungsunfähigen Beamten verstellen deshalb den Weg zu den eigentlichen Problemen.

Die jüngere ökonomische Bürokratieforschung hat sich mit zwei Fragen befaßt. Erstens für welche Aufgaben "paßt" die Organisationsform Bürokratie? Zweitens: Wie soll eine zweckrationale Bürokratie konstruiert sein? Den ersten Anstoß zur Untersuchung staatlicher Bürokratien hat ein Außenseiter gegeben: Cyril Northcote Parkinson. Doch was ursprünglich als scharfsinnige Satire gedacht war, wurde bald von der akademischen Bürokratieforschung nach Parkinson oft in verblüffender Weise bestätigt,

Informationsverschmutzung

Parkinsons berühmte Beobachtung, daß die Leistungsfähigkeit einer Bürokratie mit ihrer Größe abnimmt (im Gegensatz zum Markt, dessen Leistungsfähigkeit mit der Größe zunimmt), ist heute Allgemeingut der Wissenschaft. Je größer eine Bürokratie, um so größer wird der Aufwand zur Abstimmung im Inneren. Akten müssen über immer mehr Schreibtische wandern. Die Dienstwege werden länger. Schlimmer ist, daß auch die Qualität der Leistung zurückgeht. Das hängt mit der gar nicht so erstaunlichen Erscheinung der "Informationsverschmutzung" zusammen. In einer Hierarchie muß eine Information zwangsläufig auf jeder Stufe verändert (zum Beispiel komprimiert) werden. In diese Veränderung gehen die Urteile und Interessen des betreffenden Beamten ein. Fließt also in einer zehnstufigen Hierarchie eine Information von unten nach oben und wird auf jeder Stufe nur zehn Prozent verändert oder weggelassen, so kommt oben etwas völlig anderes an, als unten eingegeben wurde. Versucht man die Informationsverschmutzung zu bekämpfen, indem man Bürokratien verkleinert und verfeinert, wächst die Gefahr, daß die Bürokratie ihre eigentliche Aufgabe – Koordination von Entscheidungen – verfehlt.

Eine besonders groteske Illustration dafür war Carters "Energy Mobilization Board": Da sich die Durchführung von Energieprojekten unerträglich lange hinzog, weil zu viele Bürokratien koordiniert werden mußten, sollte der EMB – also eine neue Bürokratie – geschaffen werden, mit dem Recht, die Entscheidungen der bisherigen Institutionen aufzuheben.