Die Deutschen sind die "Reiseweltmeister". Die Deutschen geben zu viel Geld fürs Reisen aus. An allen Ecken der Welt trifft man Deutsche. Das Wort Tourist ist fast schon zum Synonym für den deutschen Urlauber geworden. Beinahe in Vergessenheit geraten ist die Tatsache, daß ja nicht nur Deutsche verreisen, sondern auch andere Nationen.

Und die verreisen auch ins Ausland. Zum Beispiel nach Deutschland, wo sie im vergangenen Jahr immerhin12 Milliarden Mark ließen. Gut, was die Deutschen jenseits der Grenzen ausgegeben haben, ist mehr als dreimal soviel, aber sollte man deshalb so tun, als wären 12 Milliarden ein Pappenstiel,nur eine Quantité négligeable bei demschwierigen Versuch, die Leistungsbilanz auszugleichen.

Immer wieder war in der Berliner Diskussion davon die Rede, daß Deutschland ein Exportland ist, das davon lebt, seine ebenso hochwertigen wie teuren Industriegüter gewinnbringend zu verkaufen. Aber auch der Urlaub in Deutschland ist ein hochwertiges und obendrein recht ansehnliches Exportgut. Ein Gut, das zur Zeit noch den schätzenswerten weil seltenen Vorteil hat,bei gleichbleibendem Wertim Preis zu sinken.

Für dieses Exportgutzuwerben ist Aufgabe der Deutschen Zentrale für Tourismus. Um kräftig die Reklametrommel für das Urlaubsziel Deutschland zu rühren, wird sie zu 97 % mit Geldern aus dem Bundestopf ausgestattet. Justvon diesenGeldern aber wurdenihr im Zuge der Sparmaßnahmen im vergangenen Jahr zwei Millionen Mark Subventionen abgeknapst.

Auf diesen – mittlerweile überholten –Tatbestand machte während unserer Podiumsdiskussion ein Zuhörer aufmerksam, um mit Bedauern festzustellen, daß ausgerechnet in Zeiten, in denen es vornehmste Pflicht ist, Devisen ins Land zu ziehen, eine Organisation,die dies könnte, mit weniger Mitteln arbeiten muß.

Aber die Deutsche Zentrale für Tourismus gibt sich im Augenblick, was ihre Finanzen betrifft, optimistisch. Sie hofft fest darauf, in diesem Jahr nichtnur ihren normalen Haushalt (samt den gestrichenen zwei Millionen) bestätigt zu bekommen, sondern obendrein, eine Aufstockung um etwa eineinhalb Millionen Mark, insgesamt also über 34 Millionen, zu erhalten.

So siehtes denn rundherum rosig aus für den deutschen Fremdenverkehr. 21 Millionen Übernachtungen konnte die Zentrale 1980 registrieren, zehn Prozent mehr als im Vorjahr.