Hervorragend

"Scarface" von Howard Hawks, 1930 von Howard Hughes produziert, erst zwei Jahre später von der Zensur freigegeben, ist auch ein halbes Jahrhundert später noch der wohl konsequenteste und gewalttätigste Gangsterfilm der Kino-Geschichte: kein Sozial-Drama wie die wenig später entstandenen "Public Enemy" und "Little Cesar", sondern das Porträt eines psychopathischen Killers. Paul Muni spielt Tony Camonte, der sich im Chikago der Prohibitions-Zeit den Weg nach oben mit der Maschinenpistole freischießt. Unter den Professionals des Howard Hawks ist dieser der schrecklichste: eine Maschine, die tötet, ein inzestuöser Neandertaler im City-Dschungel. Hawsk nannte "Scarface" seinen Lieblingsfilm: weil er ihn unabhängig von den großen Studios drehen konnte. Das nie in den deutschen Kinos gezeigte Meisterwerk zeigt der Münchner "Concorde"-Verleih jetzt in der Originalfassung mit Untertiteln. Hans C. Blumenberg

Annehmbar

"Flash Gordon" von Mike Hodges ist die von Dino de Laurentiis mit großem Aufwand und geringem Anspruch produzierte Kino-Version des 1934 von Alex Raymond entworfenen legendären Comic-Strips. Das Drehbuch von Lorenzo Semple jun. folgt im wesentlichen der Story des ersten Flash-Gordon-Serials von 1936, in dem Buster Crabbe diese Inkarnation des Guten im Kampf gegen das extraterrestrische Böse spielte. Begleitet von seiner Freundin Dale Arden (Melody Anderson) und dem Wissenschaftler Dr. Zarkov (Popol), bringt der gute Flash (Sam J. Jones) den Bewohnern des Planeten Mongo solche menschlichen Qualitäten wie Teamwork, Loyalität und Opfermut nahe, führt sie zum Aufstand gegen ihren finsteren Herrscher Ming den Gnadenlosen (Max von Sydow), schützt Dales Unschuld vor Mings lüsternen Absichten, erliegt beinahe den Verlockungen von Mings Tochter Prinzessin Aura, einer aufreizenden Göttin der Lust (Ornella Muti) – und rettet nebenher auch noch die bedrohte Erde. Für Federico Fellinis Austatter Danilo Donati, nicht gerade als Asket bekannt, muß es ein Vergnügen gewesen sein, dieses Phantasia-Land im Weltall mit seiner futuristischen Art-deco-Architektur und seinen bizarren Kostümen für Arborianer, Falkenmenschen und Sturmtruppen im Darth-Vader-Look zu entwerfen. Die Darsteller reden Sprechblasen; die Kamera (Gil Taylor) schwelgt in knalligen Comic-Farben, und die Tricks haben mehr mit Georges Méliès als mit George Lucas zu tun. Was das Vergnügen allerdings erheblich einschränkt, jedenfalls für Raymond-Fans, ist die Distanz, die gegenüber der "Trivial"-Vorlage eingenommen wird. Man mißtraut dem naiven Elan des Originals, dem ungebrochenen Esprit der Senats, zieht sich auf eine prätentiöse, selbstgefällige Parodie zurück. Und zerstört damit zynisch das eigentlich Reizvolle: den Kinotraum vom heroischen Melodram. Helmut W. Banz

Enttäuschend

"Scanners" von David Cronenberg, dem Werke wie "Rabid" und "The Brood" als plastische Projektionen innerer Wahnwelten unter Horrorexperten den Ruf eines "Kultfilmers" eintrugen. "Scanners" (Antennen) nennt er Menschen, die direkt mit fremden Nervensystemen kommunizieren, Gedanken lesen und Gegnern allein durch Konzentration tödliche Krämpfe beibringen können. Ein telekinetisches Talent, das nicht der Büchse der Pandorra entspringt, sondern – eine makabre Analogie zu "Contergan" – im pharmazeutischen Labor des dubiosen Dr. Ruth (Patrick McGoohan) entwickelt wurde. Als die Opfer des genetischen Geniestreichs gegen ihren Einsatz als Geheimwaffen rebellieren, schickt der allmächtige Sicherheitskonzern "Consec" seinen besten Scanner (Stephan Lack) als Doppelagenten in den Untergrund. Den psychischen Qualen seiner Helden, dem Stimmen- und Gestaltengewirr in ihren manipulierten Gehirnen schenkt der kanadische Regisseur kaum Aufmerksamkeit. Statt dessen zeigt seine brüchige Synthese aus Horror-, Spionage- und Science-fiction-Motiven, wie Scanners nicht nur Köpfe zerplatzen, sondern auch Spannung erlahmen lassen. Jedenfalls wenn sie das Drehbuch (Cronenberg) zur langweiligen Pose stets überlegener Comic-strip-Figuren zwingt. Spiegelten die spektakulären Ekeleffekte in Cronenbergs "Parasitenmörder" traumatische Ängste, so gleichen sie hier eitel zelebrierten Zaubertricks, denen die blasse Vision vom volltechnisierten Überwachungsstaat und die Kritik an verantwortungsloser Pharmaforschung als Alibi aufgepropft werden. Das Showdown der Superscanner, von Make-up-Spezialist Dick Smith kreiert, der schon bei Friedkins "Exorzist" die Maske besorgte, dürfte allerdings als meisterhafte Scheußlichkeit in die Annalen des Horrorgenres eingehen. Hartmut Wilmes

Mittelmäßig