DIE ZEIT

Keine Umkehr

In neunzig Tagen um alle Klippen ohne Streiks – mit diesem Wunsch war Polens neuer Ministerpräsident Jaruzelski aufgebrochen.

Modell Bayern

Mit voller Billigung des bayerischen Ministerpräsidenten Strauß und seiner Regierung haben Polizei und Justiz in Nürnberg unschuldige Jugendliche tagelang in Gefängnisse gesperrt.

Überholtes Ritual

Ausgerechnet Heinz Kluncker, der Chef der mächtigen Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, der 1974 die jährliche Tarifrunde mit einem Paukenschlag eröffnete, mit den Deckeln der Mülleimer trommein ließ und zweistellige Lohnerhöhungen durchboxte, blies jetzt zum Rückzug.

Buchhaltung oder Sicherheitspolitik?

In Hans Apels Rüstungsklausur war von derlei apokalyptischen Aussichten nicht die Rede. Da waren unpolitische Buchhalter versammelt, die Mittelanforderungen und Mittelansätze zur Deckung zu bringen suchten.

Zeitspiegel

Für die Bonner ist der Jahrmarkt der Eitelkeiten bedeutsam, für FDP-Chef Hans-Dietrich Genscher war er von jeher von besonderem Gewicht.

Worte der Woche

"Dieser von allen Parteien getragene Entschluß zum Startbahnneubau hat unserer Demokratie, wie wir sie verstehen, einen Rückhalt verschafft; sonst wären wir ja auf dem besten Wege zu einer Protestdemokratie.

Mehr Kritik, weniger Distanz

Die Jungdemokraten übten sich bei ihrem Bundesdelegiertenkongreß in ungewohnter Rolle. Loyal, wie es einem Jugendverband geziemt, lieferten sie in Leverkusen jenes Maß an Selbstkritik, das die FDP erwartete.

Wahlkampf mit Prozenten

Valéry Giscard d’Estaing, jetzt auch offiziell Kandidat für seine eigene Nachfolge als Präsident der Französischen Republik, steht vor einem eindrucksvollen Dilemma.

Genscher in Ajnerika: "Larry" schmeißt den Laden

Außenminister Alexander Haig hat seinen Kollegen Hans-Dietrich Genscher und mit ihm die Bundesrepublik vor der Presse in Washington in die höchsten Himmel des Lobes gehoben, um das in konservativen Kongreßkreisen und in einem Teil der Presse entworfene Bild von der immer unzuverlässiger werdenden Bundesrepublik zu korrigieren.

Bahr zurück in den Busch

Überaus Herzliche Worte Hat Willy Brandt für den scheidenden Bundesgeschäftsführer der SPD, Egon Bahr, beim Abschiedsempfang im Erich-Ollenhauer-Haus nicht gerade gefunden; nur das Notwendige, Pflichtschuldige und Selbstverständliche.

"...dann muß ich regieren"

Kleingedruckt war Lech Walesas Vorspruch: Er glaube nicht an eine solche phantastische Eventualität. Dennoch machte sein Interview mit der italienischen Starjournalistin Oriana Fallaci Schlagzeilen: Wenn die Regierung Jaruzelski scheitern würde, ohne daß die Sowjets intervenieren, "dann müßte Solidarnosc regieren .

Polen: Moskau setzt Kania unter Druck

Die neunzigtägige Streikpause, die Polens Ministerpräsident General Jaruzelski in seiner Regierungserklärung angemahnt hatte, ist schon nach zwei Wochen unterbrochen worden.

Spanien: Trügerische Ruhe

Eine Woche nach der längsten "Nacht der Demokratie" ermahnte König Juan Carlos bei einem Besuch der Militär-Akademie von Saragossa das Militär zu Verfassungstreue und Disziplin.

Beamtenberg: Parkinsons Gesetz

Während unserer ganzen Untersuchungen über die sogenannte reine oder absolute Personalvermehrung deuteten die Ergebnisse auf eine jährliche Zuwachsrate von rund 5,75 Prozent hin.

Stellenplan: Beförderung ohne Leistung

Der Postminister beabsichtigt, wie unter anderem aus den Erläuterungen zum Stellenplan 1980 hervorgeht, die Funktionen des einfachen und des mittleren Dienstes neu abzugrenzen, und 50 000 oder mehr Planstellen aus dem einfachen in den mittleren Dienst "aufzuschichten" .

Computer: Mehr Kosten und Beamte

Im Bundeshaushalt sind für Sachausgaben der Datenverarbeitung in der Bundesfinanzverwaltung im Durchschnitt der letzten fünf Jahre (1976 bis 1980) rd.

Hochschulen: Viel Geld ohne Prüfung

Der Bundesrechnungshof hatte in Nr. 244 seiner Bemerkungen zur Bundeshaushaltsrechnung 1972 – Drucksache 7/2709 – darauf hingewiesen, daß sich die Einflußmöglichkeit des Bundes auf Planung, Durchführung und Abrechnung des Hochschulbaues mit Inkrafttreten des Hochschulbauförderungsgesetzes (HBFG) im Jahre 1970 verringert hat und daß der Bundesminister für Bildung und Wissenschaft die dem Bund nach dem HBFG noch zustehenden Möglichkeiten einer Einflußnahme in vollem Umfang ausschöpfen sollte.

Ein unbequemer Bürgermeister

Das kleine rote Backsteinhaus liegt direkt am Deich, hinter winterlich kahlen Bäumen versteckt. Die Haustür ist nicht verschlossen.

Brief eines zornigen Bürgers aus Freiburg: Lieber Freund,

In den letzten Tagen bin ich zornig durch Freiburg gegangen, habe mit Leuten diskutiert, die zerschlagenen Fensterscheiben betrachtet, am Wochenende den Handwerkern zugesehen, wie sie die großen Schaufenster einiger Geschäfte mit Spanplatten zunagelten.

Beispiellose Polizeiaktion

Abends um zehn, nach einem Film über die niederländischen Kraker, befiel ein paar Spontis die Lust zum "Abendspaziergang", wie nächtliche Demonstrationen in alternativen Zirkeln heute gern gutbürgerlich umschrieben werden; etwa 140 schlossen sich an, kurz darauf gingen sechs Scheiben in Banken und Kaufhäusern zu Bruch.

Abstinenz am Zapfhahn

Auf eine seit Jahren ständig wiederholte Frage gibt es jetzt eine Antwort. Die Frage lautet: Bei welchem Benzinpreis wird die "Schmerzschwelle" für den Autofahrer überschritten? Die Antwort, aus der Empirie geboren, ist ziemlich eindeutig: Bei einem Literpreis von 1,30 Mark für Superkraftstoff hat der Autofahrer die Bremse gezogen: Er fährt weniger.

Wegen ein paar Oliven...

Solange Franco lebte, war das Engagement groß. Demonstrationen zum Thema Faschismus in Spanien zogen Tausende von Teilnehmern an.

Bonner Kulisse

Noch im März will Forschungsminister Andreas von Bülow seine weiteren Gespräche mit den EVUs, den Elektrizitätsversorgungsunterneh- men, über deren künftige finanzielle Beteiligung an der staatlichen Energieforschung und Entwicklung über die Runden bringen.

Stahlindustrie: Mit der Brechstange

Das Ruhrgebiet wird wohl bald ein Schauspiel erleben, das dort nicht unbekannt ist: Arm in Arm werden Unternehmer und Gewerkschafter die miserable wirtschaftliche Lage beklagen und von Bonn Hilfe verlangen.

Siemens: Kratzer am Schild

Der deutsche Elektro-Multi Siemens präsentiert sich seinen 400 000 Aktionären auch in diesem Jahr ertragsstark und gut gerüstet für schlechtere Zeiten.

DGB-Kongreß: Viele Worte – kein Programm

Wenn die Delegierten vom Donnerstag bis Samstag dieser Woche auf dem außerordentlichen Bundeskongreß des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) über ein neues Grundsatzprogramm, das dritte seit 1949, ihrer Organisation beraten, dann werden sie dabei auch über das Wörtchen "damit" streiten.

Wo ist das Lombardfenster?

Karl Otto Pöhl tritt weg vom Fenster, senkt die schweren Lider und zuckt mit den Schultern: "Daß jemand schon so bald die Logik unserer neuen Geldpolitik würde nachvollziehen und ihr Geheimnis ergründen können – ich hätte es nie gedacht.

Energieversorgung: Der Schatz vom Orinoko

Der Ölmann aus Venezuela pries die Schätze seines Landes in höchsten Tönen. Im Tal des Orinoko liege eine der "großen Reserven der Menschheit", nicht weniger als 150 Milliarden Tonnen Öl.

Sie wittern Morgenluft

Im vergangenen Jahrzehnt ist es in der Bundesrepublik um die amerikanischen Investment-Fonds still geworden. Nur noch knapp über 20 bieten bei uns ihre Anteile an.

Zwölfprozenter waren Zugpferd

Ist der Zinsanstieg in der Bundesrepublik gestoppt oder nur unterbrochen? Darauf gibt es zur Zeit zwar noch keine zuverlässige Antwort, aber die letzten Tage haben gezeigt, daß bei den Sparern Geld lockerzumachen ist, wenn die Zinsen "stimmen".

Zeitraffer

Im internationalen Geschäft nimmt die Bundesrepublik zwar immer noch den zweiten Rang nach den USA und vor Japan ein, ihr Ruf als Exportmusterknabe ist aber etwas angeschlagen, stellt das Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft fest.

Manager und Märkte

Die angespannte Haushaltslage des Bundes hat. auch ihre guten Seiten: So wurde das Projekt zur Entwicklung eines Autos für das Jahr 2000 jetzt drastisch von bisher 110 Millionen Mark auf siebzig Millionen Mark zusammengestrichen.

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