Streifzug durch den Harz jenseits der Grenze

Von Ulrich Schmidt

Ich kenne und liebe, den Harz, allerdings nur den westlichen Teil, und litt bis vor kurzem an dem Mangel, den östlichen, angeblich noch viel schöneren Teil überhaupt nicht zu kennen. Um dem Übel abzuhelfen, ließ ich mir von Hansa-Tourist Hamburg, einem für die DDR-Touristik zuständigen Reisebüro, einen Prospekt schicken: "DDR – ein interessantes Reiseland".

Nur leider, der Harz ist darin nicht enthalten. Angeboten werden: die Ostseebäder Warnemünde und Kühlungsborn, die Inseln Rügen und Usedom, drei Luftkurorte im Thüringer Wald, das Elbsandsteingebirge. Aber unter den 41 Stadtreisezielen mit Hotelreservierung finden sich die beiden Harzstädte Wernigerode und Quedlinburg. Wenigstens als Stadtreisender könnte man also in den Harz kommen.

Oder doch nicht? Drei Wochen, nachdem ich die drei Antragsformulare ausgefüllt habe, höre ich vom Reisebüro, Wernigerode und Quedlinburg seien nicht verfügbar, ich könne aber im Interhotel in Magdeburg wohnen, für 68 Mark pro Nacht mit Frühstück.

Spätestens nach diesem Bescheid würden vermutlich 99 von 100 Bundesbürgern ihren Plan, den DDR-Harz kennenzulernen, aufgeben. Denn Magdeburg liegt weit außerhalb des Gebirges im Flachland, Ich hingegen, auf system-immanente Schwierigkeiten ohnehin gefaßt, witterte östliche Abenteuerluft und sagte zu. Irgendwie würde es mir schon gelingen, bis in den Harz vorzudringen. Ich würde mir in Magdeburg einen Mietwagen nehmen – kein Problem! meinte die Dame vom Reisebüro – oder bis Wernigerode mit der Bahn fahren und dann in den Bergen zu Fuß wandern. Ein Dach über dem Kopf würde sich wohl finden lassen.