Aus Kreisen schreibender Analphabeten ist letzthin der Begriff "Das Aha-Gefühl" in den aktuellen Sprachschatz eingedrungen, wobei das Wort mit Vorliebe für den glücklichmachenden Augenblick gebraucht wird, in dem der bis dahin unbedarfte Mensch etwas Schwerbegreifliches plötzlich begriffen hat, so daß sich aus seinem Inneren der stille, aber tiefgekühlte Ausruf löst: "Aha!"

Schon um der grammatikalischen Logik willen sollten wir diesem "Aha-Gefühl" den Gegensatz hinzufügen. Er wird nicht so positiv (Aha!) lauten, sondern eher bekümmert klingen müssen, niedergeschlagen und resigniert: "So, so..." (als Kurzfassung von Seufzern, wie: "Sieh mal einer an!" oder "Nit mööglich"). Der Erlebnisbereich des Soso-Gefühls wird ebenso groß, wie der des Aha-Gefühls! Ja, wir müssen direkt achtgeben, daß beide Gefühle nicht verschmelzen, müssen sorgen, daß wir das "Aha-Gefühl" und das "Soso-Gefühl" in jedem Fälle auseinanderhalten. Da war zum Beispiel jenes jedem kertreffen in Thüringen.

"Die Vorsitzenden der SPD und der Sozialistischen Partei Frankreichs" – so lautete die Meldung –, alsoWilly Brandt und François Mitterrand haben ein Treffen vereinbart.

Warum sollten sie nicht? Beide sind europäische Sozialisten. Weiterhin lehrte uns die Meldung, daß sie gemeinsam die "Strecke abfahren, auf der Mitterrand bei Kriegsende aus einem Lager der Nationalsozialisten geflüchtet ist".

Die Meldung hat Aufsehen erregt. In der Tat: Wenn zwei politische Chefs einander. treffen, so ist auch die Gegend wichtig, wo auch dies tun. Es ist die Gegend von Rudolstadt. Es ist also Thüringen, wo der deutsche Nobelpreisträger und der französische Präsidentschaftsanwärter einander trafen. Und gemeinsam auf 1981er Fahrt gingen. Es ist die DDR, ausgerechnet die DDR.

"Soso."