Nutzen Sie eine der letzten Gelegenheiten zum Erwerb in der Zentralschweiz", lockt das Inserat im Immobilienanteil einer renommierten deutschen Tageszeitung. "Eine der wenigen noch bestehenden Möglichkeiten für Ausländer", warnt die Anzeige gleich daneben. Andere Inserenten berufen sich lieber auf das altbewährte Kaufmotiv deutscher Liebhaber von eidgenössischen Immobilien: "Die Schweiz: Höchste politische und wirtschaftliche Stabilität, konsequent praktizierte Neutralität, beneidenswerte Lebensqualität."

Wieder einmal, so scheint es, herrscht auf dem Markt für eidgenössische Immobilien Ausverkaufsstimmung, und der Grund dafür liegt nicht nur im rauher gewordenen Ost-West-Klima. Denn zu Jahresbeginn hat die eidgenössische Regierung den Traum vom Schweizer Chalet erneut in etwas weitere Ferne gerückt. Schon im Dezember hatte nämlich der Bundesrat beschlossen, die den Kantonen zur Verfügung stehenden Bewilligungskontingente für Grundstücksverkäufe an Ausländer in Touristengebieten um fünfzehn Prozent zu kürzen und weitere zwölf Orte in die Liste der sogenannten "gesperrten" Gemeinden aufzunehmen. Dort sind Verkäufe an Ausländer nur noch ausnahmsweise zulässig. Damit ist die berüchtigte "Lex Furgler" aus dem Jahre 1974, die ihren Namen dem damaligen Justizminister verdankt und sich heute nur noch einigen wenigen Insidern erschließt, abermals ein bißchen komplizierter geworden.

Zudem sind mittlerweile Einzelheiten des neuen "Gesetzentwurfs über den Erwerb von Grundstücken durch Personen im Ausland" bekannt geworden. Dieses Gesetz soll den bis 19 82 befristeten Bundesbeschluß zum 1. Januar 1983 ablösen und wird voraussichtlich weitere Einschränkungen für den Immobilienerwerb durch Ausländer in der Schweiz bringen.

Den aktuellen Anlaß, sich wieder stärker um den "Ausverkauf der Heimat" zu sorgen, an dem übrigens die Bundesbürger allein zu über 80 Prozent beteiligt sind, bilden vor allem die alljährlich steigenden Zahlen der erteilten Verkaufsbewilligungen. Waren zum Beispiel 1976 erst rund 3600 Gesuche positiv entschieden worden, so schnellte die Zahl 1979 auf den Rekord von 6000 Genehmigungen, die einen Gegenwert von fast 1,6 Milliarden Franken repräsentieren. Für 1980, so schätzt das Bundesamt für Statistik in Bern, ist trotz der inzwischen beschlossenen Verschärfungen "zumindest mit einer ähnlichen Größenordnung zu rechnen". Wieder dürfte das Wallis mit allein mehr als einem Drittel aller Bewilligungen an der Spitze stehen, gefolgt von Graubünden, Waadt und dem Tessin.

Doch auch ein anderes Phänomen bereitet dem Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) zunehmend Sorgen. Denn die Einführung von Ausnahmekontingenten für die knapp 400 gesperrten Touristenorte der insgesamt rund 1000 Schweizer Fremdenverkehrsgemeinden hat dazu geführt, daß inzwischen auch bislang noch unberührte Regionen vom Ausländer-Verkaufsboom erfaßt wurden. Insbesondere Gemeinden im Kanton Obwalden oder in der Innerschweiz. Diese vorerst noch nicht gesperrten. Orte können ihre Ausländer-Grundstücksverkäufe noch weitgehend selbst bestimmen, und zwar so lange, bis sie ein gewisses Quorum erreicht haben, das sich nach der Bevölkerungszahl und der Anzahl der Übernachtungen pro Jahr richtet.

Die Tatsache, daß nun auch diese touristischen Randregionen in den Sog der Grundstücksverkäufe geraten sind, hat den Bundesrat bewogen, in dem geplanten Gesetz auf die Unterteilung in gesperrte und nicht gesperrte Orte zu verzichten. Statt dessen schlägt die zuständige Kommission des Justiz- und Polizeidepartements in ihrem Entwurf vor, für alle Gemeinden eines Kantons insgesamt alle zwei Jahre ein Kontingent festzulegen. Ferner möchte der Bundesrat die Immobiliengesellschaften stärker als bisher kontrollieren.

Doch in dem Ende Januar verspätet abgeschlossenen "Vernehmlassungsverfahren", das den Kantonen und Interessenverbänden Gelegenheit gibt, zu einem geplanten Gesetz Stellung zu nehmen, wurde der Entwurf arg zerzaust. "Der Text ist weder für Juristen noch für Laien lesbarer geworden", kritisiert zum Beispiel der Schweizerische Anwaltsverband. Geradezu vernichtend ist das Urteil von Fritz Ebner, dem Sekretär des "Vorort", dem Eidgenössischen Arbeitgeberspitzenverband: "Generell stellt sich der Eindruck ein, daß man es mit dem Werk einer Expertokratie zu tun hat, die mit Übereifer ihrem Auftrag nachzukommen suchte, eine Gesamtschau aber vermissen ließ." Der "Vorort" bemängelt an dem Entwurf vor allen Dingen, daß künftig auch der Erwerb von Beteiligungen durch Ausländer an Gesellschaften bewilligungspflichtig werden soll, die nur über ein einziges Grundstück in der Schweiz verfügen. Damit würde, so Ebner, "der zwischenstaatliche Kapitalverkehr unzulässig eingeschränkt".