Lawrence Eagleburger leitet die Europa-Politik

Von Ulrich Schiller

Washington, im März

Außenminister Alexander Haig hat seinen Kollegen Hans-Dietrich Genscher und mit ihm die Bundesrepublik vor der Presse in Washington in die höchsten Himmel des Lobes gehoben, um das in konservativen Kongreßkreisen und in einem Teil der Presse entworfene Bild von der immer unzuverlässiger werdenden Bundesrepublik zu korrigieren. Ein ehemaliger Redenschreiber Nixons stellte später die entwaffnende Frage: "Was hat der Haig nur an dem Schmidt gefressen, daß er ihn unbedingt an der Macht halten will?"

Der neue Rausch von der Wiedergeburt eines starken, traditionsbewußten Amerikas läßt die politische Vernunft leicht zu kurz kommen. Differenzierungsbemühen in der Außenpolitik wird da schnell als Schwäche ausgelegt. Den diplomatischen Profis der Regierung Reagan unter diesen Umständen diskret die Arbeit zu erleichtern, ist für die Verbündeten nicht einfach, aber wichtig. Außenminister Genscher hat dazu offensichtlich einen guten Beitrag geleistet. Denn zum erstenmal seit Antritt der neuen Regierung hat sich ein maßgeblicher Mann in Washington – Außenminister Haig – dazu bekannt, alsbald Rüstungskontrollverhandlungen mit den Sowjets aufzunehmen. Sicherlich darf man dabei nicht die Rolle jenes Mannes zu gering achten, der als Chef der Europa-Abteilung im State Department designiert wurde: Er heißt Lawrence Eagleburger.

Beinahe kumpelhaft gehen sie miteinander um, so berichten Besucher, die mit einigem Erstaunen die vertrauliche Nähe zwischen Außenminister Haig und seinem Ratgeber beobachten. Eagleburger hatte die Ernennung zum stellvertretenden Außenminister für Europa-Angelegenheiten noch gar nicht in der Tasche, da schickte Haig ihn schon mit der heiklen Aufgabe, die Verbündeten von kommunistischen Verwicklungen im salvadorianischen Bürgerkrieg zu überzeugen, durch die Hauptstädte Westeuropas. Und der Senat hat die erforderliche Bestätigung Eagleburgers noch gar nicht auf der Tagesordnung, da wirkt und werkt der energiegeladene Karrierediplomat, Geburtsjahr 1930, Republikaner, Uramerikaner aus Milwaukee im Staat Wisconsin, bereits auf der sechsten Etage des State Department mit Blick auf den Potomac in einer Büroflucht, über deren Eingang noch der Name seines Vorgängers steht – George Vest.