Düsseldorf

Übrig blieb ein großer Müllhaufen." So überschrieb eine Düsseldorfer Zeitung am Aschermittwoch die Bilanz der drei tollen Tage. Gemeint war natürlich nur der übliche Abfall an Papier und Pappe. Immerhin, so der städtische Reinigungsdirektor, waren es diesmal ein paar Kubikmeter mehr. Auch der Dreck hat seine Rekorde.

Schmutz, Abfall, Dreck gab es nicht nur auf Düsseldorfs Jubelstraßen. Es gab sie auch während einer Herrensitzung der "Unterrather Funken": Müll-Worte. Dort hatte der Prinz vom letzten Jahr, ein sonst angesehener, vermögender Devisenmakler mit Namen Klaus Schulze – Alter: 35 Jahre – zur Erheiterung der "Herren" ein paar Witze vom Podium losgelassen, solcher Art:

"Ein Mann sagt zu einem Mädchen: Ich möchte dich bumsen wie eine Jüdin." – "Wie das?" – "Bis zur Vergasung". Oder:

"Was ist ein Jude mit einer Propangasflasche unterm Arm?" – "Süchtig."

Lustig sollte das sein, und von den 900 animierten, amüsierten Zuhörern erhob sich keiner und protestierte gegen solche Entgleisungen. Nachher freilich, als Schulzens "Scherze" in den Lokalblättern und im Regionalfernsehen publik gemacht wurden, war die Empörung groß. Wie konnte er nur, wie durfte er nur? Düsseldorf war plötzlich in Verruf geraten, der Karneval, die ganze Gaudi.

Die Judenwitze waren in einer Stadt und zu einem Zeitpunkt gemacht worden, wo ein paar Steinwürfe weiter im Landgericht ein Judenmord-Prozeß läuft, das Verfahren um das Vernichtungslager Majdanek. Zufall, Absicht? Doch egal, in welcher Stadt, zu welchem Augenblick, aus welchem Anlaß öffentlich oder auch privat darüber gelacht werden soll – Witze solcher Art sind überall schamlos. Und die Düsseldorfer, wenn sie auf sich und ihr Volksfest halten wollen, müssen darauf achten, daß diese karnevalistische Untat nicht mit dem Müll verschwindet. Einfach so...