Venus mit bloßem, Cleopatra mit bedecktem Busen, freche Bauerngöre und züchtige Reedersfrau, Negerjunge mit Banane, Marineoffizier mit Fernglas oder Madonna mit Kind: Sie alle waren, Jahrhunderte hindurch, schon mal Galionsfigur auf einem Schiff, selbst Florence Nightingale und Abraham Lincoln schmückten schon hölzern einen Bug: als Talismann und Wahrzeichen zugleich, Begleiter in Glück und Not, Seele des Schiffs. – Eine ebenso unterhaltsame wie kundige Kulturgeschichte der "hölzernen Engel" (Galionsfiguren aus fünf Jahrhunderten, Verlag Delius Klasing, 48 Mark) hat der Italiener Giancarlo Costa geschrieben, Sproß eines alten Seeräubergeschlechtes aus Santa Magherita am Ligurischen Meer. Aber nicht allein die Herkunft prädestiniert den Autor, Geschichten von Galionsfiguren und damit auch Geschichten von berühmten und berüchtigten Schiffen zu erzählen. Als Seemann, Froschmann und Unterwasserphotograph hat er zwischen Polynesien und Grönland so manches Seegarn eingepackt. Im vorliegenden, schön bebilderten Band überwiegen jedoch die Fakten, er zeigt in zeitlicher Reihenfolge mehr als 300 Galionsfiguren der westlichen Welt. Für die prächtigsten hat der Autor nicht weit fahren müssen. Sie stehen im Altonaer Museum, mittenmang in Hamburg. syz