Das mystisch-dunkle Titelbild fesselt. Das Sujet macht neugierig, die Unterzeile. "Ein Engel fliegt über den Kontinent" stutzig. 26 weltbekannte Wallfahrtsorte werden beschrieben in

Humbert Fink, Auf Pilgerstraßen durch Europa, List Verlag 1980, 39,80 Mark.

Der Titel ist leicht irreführend. Es geht nicht unbedingt auf herkömmlichen Pilgerstraßen durch Europa, es geht vielmehr um Geschichten, um Schilderungen der berühmtesten Pilgerstätten katholischer Frömmigkeit. Humbert Fink eilt durch Europa und läßt keinen. wichtigen Namen der religiösen Hitliste aus: Altötting nicht und nicht Lourdes; Santiago de Compostela ist dabei und Fatima, Loreto und Maria Taferl, Tschenstochau und Montserrat.

Es ist ein schwieriges Vorhaben, das ganz eigene Ambiente eines Wallfahrtsortes in Worten wiederzugeben. Es ist diffizil, die Stätten sinnlich kaum faßbarer Gläubigkeit realistisch zu schildern. Es ist ein Balanceakt, Empfindungen hart am Rande des Aberglaubens darzustellen, die sich wenn, nur am Ort des Geschehens nachvollziehen lassen, einstellen können;

Das Buch ist persönlich geschrieben, manche mal zu persönlich. Es ist ein Konglomerat aus Empfindungen ("Es klingt absurd, aber ich sage die Wahrheit, wenn ich jetzt gestehe, daß ich immer schon vor Santiago de Compostela eine Art unerklärlicher Furcht empfunden habe."), aus Spekulationen über Gott und die Gläubigkeit, aus vielen Fragen, auf die es fast nie eine Antwort gibt ("Ist es wirklich yorstellbar, daß Gott die Zeichen setzt, wie er will? Und daß Heiligkeit etwas ist, auf das wir keinen Einfluß haben?"). Das Buch ist gespickt mit weitausholenden Beschreibungen ("Irgendwann hinter einem der Pässe... beginnt das grüne Gewölk der Ölbäume, stehen Korkeichen wie verwunschene Figuren in einem wasserdurchfluteten Tal. Und dann endlich, völlig unvermutet, erhebt sich im Schatten einer fast baumlosen Sierra, der auf der gegenüberliegenden Talseite der Schatten einer anderen baumlosen Sierra antwortet, ein dunkelbrauner Vierkant im rötlichen Schimmer"), gespickt aber auch mit Legenden, Geschichten, Mythen, Spekulationen, die sich um die Heiligen, die sich um die religiösen Symbole, die sich um die Erscheinungen ranken.

Der Autor hat ein heikles Thema gewählt, und er weiß es. Darum grübelt er, distanziert sich, verliert sich in Schilderungen, gibt Heiligenviten fast kolportagehaft wieder.

Die bisweilen viel zu prätentiös einherpilgernde, überladene Sprache macht die Lektüre des zweifelsohne interessanten, viele Hintergründe erhellenden, ungemein kenntnisreichen Buches anstrengender als nötig. put