Die Reisebranche ist bekanntlich nicht mehr so selbstzufrieden wie in den vergangenen Jahren, in denen sie auf zweistellige Zuwachsraten zurückblicken durfte. Jedoch: Alle ängstlichen Vermutungen haben sich nach der auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin vorgelegten Ergebnisse der Reiseanalyse 1980 nicht bestätigt.

Das Marplan-Institut hat wieder einmal für den Studienkreis für Tourismus recherchiert: 57,7 Prozent aller erwachsenen Bundesbürger (also Ausländer und Kinder unter 14 Jahren nicht mitgerechnet) haben im vergangenen Jahr mindestens eine Urlaubsreise (mehr als fünf Tage) unternommen. Im Vergleich zum Jahr 1979 bedeutet das einen Zuwachs um 0,7 Prozent oder 600 000 Reisende auf insgesamt 27,1 Millionen Urlauber.

Die Zuwachsrate ist zwar niedriger als in den Vorjahren, aber insgesamt. wurde trotz aller Schwarzmalerei die bislang höchste Reiseintensität in der Bundesrepublik und Westberlin festgestellt – allein schon durch die Zunahme jener Bundesbürger, die 1980 über der statistischen: Umfragegrenze von 14 Jahren lagen. Die Zahl der nichtreisenden Deutschen ist mit 19,9 Millionen gleich geblieben.

Auch die Reisehäufigkeit blieb stabil: Rund 85 Prozent der Befragten packten einmal im Jahr die Koffer, nur etwa 15 Prozent leisteten sich zwei und mehr Urlaubsreisen. Bei diesen "Mehrfachreisenden" gab es eine kaum nennenswerte Zunahme; Städtereisen haben sogar starke Einbußen zu verzeichnen.

Wer waren die Gewinner des vergangenen Jahres? Wohl des verregneten Sommers wegen haben die Auslandsziele nicht an Beliebtheit eingebüßt. 60,3 Prozent der Urlauber zog es ins Ausland, 1,9 Prozent reisten in die DDR und 37,7 blieben – trotz des Wetters – in der Bundesrepublik oder Westberlin. Noch beliebter als’im Vorjahr war dabei das Bundesland Bayern mit 11,4 Prozent aller Urlaubsreisen in eigenen Landen (im Vorjahr 10,9 Prozent). Dann folgen erst Schleswig-Holstein mit 6,8 Prozent, Baden-Württemberg (6,3), Niedersachsen (6,0), Hessen und Rheinland-Pfalz/Saarland (1,9), Nordrhein-Westfalen (1,6) und die Städte Berlin, Hamburg sowie Bremen mit insgesamt 1,6 Prozent.

Unter den Auslandsreisezielen steht Österreich nach wie vor an erster Stelle in der Gunst des deutschen Reisepublikums. Es konnte sogar eine Zunahme von 100 000 Gästen (insgesamt 12,9 Prozent) verzeichnen, gefolgt von Italien mit 9,9 Prozent (ein Minus von 300 000 Gästen). Weitere Verlierer des vergangenen Reisejahres sind Spanien (von 10,2 auf 9,2 Prozent), Frankreich (4,4 auf 4,3 Prozent), Griechenland (2,5 auf 2,2 Prozent), die osteuropäischen Länder (2,5 auf 2,1 Prozent), die Niederlande (2,2 auf 1,8 Prozent), Skandinavien (1,7 auf 1,4 Prozent) sowie Irland (1,7 auf 1,2 Prozent).

Die Gewinner des vergangenen Jahres waren neben Österreich Jugoslawien (von 3,6 auf 4,3 Prozent aller bundesdeutschen Reisenden), Dänemark mit 2,2 Prozent (vorher nur 1,7) und die Schweiz mit einer Verdoppelung der deutschen Feriengäste auf 800 000.