Die Invasion kommt diesmal aus dem ganz nahen Osten, aus Braunschweig. Der ferne Osten kann dabei nur zuschauen und nicht wie sonst mithalten oder überbieten. Für heute hat er das Nachsehen in einem Stück, das den Titel tragen könnte; "Warum uns die Japaner nicht schlagen konnten".

Geschafft hat dieses neue kleine Europa-Hochgefühl ein Photoapparat, der auf einem anscheinend ausgepokerten Technik-Produkt-Markt-Feld plötzlich wieder Leben und Bewegung in das reichlich Vorhandene bringt. Das Vorhandene sind alle Kleinbildkameras. Die sehen sich im Prinzip zum Verwechseln ähnlich und sind in punkto Technik nur noch von absoluten Profis zu durchschauen. Auch die Bedienbarkeit leidet sehr oft darunter, daß unter einem antiken Kleid immer mehr technische Raffinessen in ungeeignete Räume gepfercht werden müssen. Grob gesagt: in etwa sehen die meisten Apparate heute noch so aus wie die Uralt-Leica.

Es gab immer wieder einmal Versuche, von diesem Modell der flachen Lichtfalle mit Objektiv vorne dran wegzukommen, aber keiner dieser Versuche hatte bislang Chancen. Die Gewohnheit war stärker.

Gegen alle diese inzwischen gar nicht mehr bedachten aber akzeptierten Gewohnheiten wurde nun nach mehr als fünfzig Jahren erstmals wieder ein Großversuch gestartet. Und nach Lage der Dinge verblüfft es sehr, daß er nicht aus Japan kommt dem man schon fast gedankenlos alle Schrittmacherfunktionen zugetraut hatte.

Dabei ist der neue Apparat gar nicht so schrecklich revolutionär. Er ist nur darum neu, weil er für das Kleinbild-Gebiet funktionelle Konstruktionsanleihen bei den Mittelformatkameras macht und diese, intelligent weitergedacht, zu einem neuen Photographierapparat umformt.

Gut war zum Beispiel an den alten Mittelteil matkameras schon immer, daß sie Wechselkassetteil hatten und einen Aufsichtssucher. Beides taucht an der neuen Kamera auch auf – aber der klassische Sucher der Kleinbild-Spiegelreflex blieb trotzdem erhalten als zweite Möglichkeit der Motivbetrachtung. Gut war beim Mittelformat auch die leichte Bedienbarkeit durch große Bedienungselemente – die neue Kleine hat das ebenfalls alles griffig und eine Nummer größer und damit fingerfreundlicher,

So richtig pfiffig erscheint die neue Konstruktion aber erst, wenn man betrachtet, wie der Motor in die Apparatur, eingepaßt wurde. Das ist perfekt und nicht zu vergleichen mit all den Kamera-Motor-Kombinationen üblicher Bauweise.