Die Finanzsituation der Bundeswehr ist kritisch, jedoch nicht ausweglos. Zu diesem Ergebnis kamen die Spitzen des Verteidigungsministeriums nach dreitägiger Klausur.

Die erste Runde der Klausurarbeit im Verteidigungsministerium galt der Frage, welche Mittel für die Haushaltsjahre 1982 bis 1984 fehlen. Das Ergebnis war alarmierend: Gegenüber der bisherigen Planung ergibt sich speziell für die Materialerhaltung, die Infrastruktur der Bundeswehr, Betriebsstoffe, Munition und das Luftwaffensystem "Tornado" eine Lücke von 2,3 Milliarden Mark.

In der zweiten Runde fragten sich die Spitzenbeamten: Was tun? Eingeplante Programme wurden gestrichen und gestreckt. Das Ergebnis danach: 1,3 Milliarden Mark werden eingespart, der Fehlbedarf mithin auf eine Milliarde reduziert. Opfer: Die Marine erhält die letzten beiden von insgesamt acht Fregatten erst nach 1987. Die Lenkrakete "Maverick" und das Luftverteidigungssystem "Patriot" werden ebenfalls hinausgeschoben. Marine und Luftwaffe müssen auf das Flugabwehrsystem "Roland" zum Schutz ihrer ‚,Tornados-Stützpunkte verzichten. Die Luftwaffe muß auch ein neues Radar- und Führungssystem für die "Hawk"-Flugabwehrraketenbataillone vorerst vergessen.

Das gleiche Los traf die Anti-Radar-"Drohne" zur Störung gegnerischer Radaranlagen. Die "Milan"-Panzerabwehrraketen werden nicht ergänzt, weil – so Verteidigungsminister Apel – das System veraltet ist. Die projektierte Entwicklung eines neuen europäischen Kampfflugzeugs für die neunziger Jahre wurde gekippt. Nicht mehr vorgesehen ist schließlich auch die komplette Neuentwicklung eines deutsch-französischen Kampfpanzers. Unangetastet blieb allerdings die Beschaffung der 1800 Kampfpanzer Leopard II und der 322 Mehrzweckkampfflugzeuge "Tornado".

Nach diesem Stand reduziert sich der über die bisherige Planung hinausgehende Mehrbedarf für die Jahre 1982/83/84 auf rund 350 Millionen pro Jahr, die Apel dem Finanzminister bei künftigen Haushaltsverhandlungen abtrotzen muß. Das dürfte nur möglich sein, wenn der Anteil des Verteidigungsetats am Gesamthaushalt nicht wie vorgesehen von 18,3 in den nächsten vier Jahren auf 16,4 Prozent sinkt. Doch damit sind längst nicht alle Schwachstellen abgedeckt.

Unklar bleiben die Risiken für das laufende Haushaltsjahr. Es muß mit steigenden Treibstoffkosten gerechnet werden; auch mit höheren Kosten für die Luftwaffenausbildung in USA und Großbritannien, weil in Dollar und Pfund bezahlt wird. Nach derzeitigen Kursen kostet das weit mehr Mark als vorgesehen.

Für den deutschen Beitrag (rund eine Milliarde Mark) zum "Host Nation Support" – der finanziellen Unterstützung für die US-Streitkräfte in Europa – sind im Verteidigungsetat weder heute noch morgen Mittel vorgesehen.