BKA-Chef Herold nach den jüngsten Festnahmen

Von Hans Schueler

Zwei Wochen vor seinem Eintritt in den Ruhestand mag Horst Herold, der Präsident des Wiesbadener Bundeskriminalamtes, keine Komplimente mehr entgegennehmen. Auf die jüngsten Fahndungserfolge seiner Beamten im Terrorismus-Bereich angesprochen – innerhalb von knapp sechs Wochen wurden Peter Jürgen Boock in Hamburg, Michael "Bommi" Baumann in London und Hans Peter Knoll in Sydney festgenommen –, zuckt Herold eher gelangweilt mit den Schultern: "Das waren doch alles Aussteiger. Er meint, daran zeige sich, daß die Fahndungstechniken des Amtes den mittlerweile bis zur Perfektion entwickelten Tarnungsmethoden der Terroristen doch hinterher hinkten.

Der Präsident untertreibt. Richtig ist daran nur, daß alle drei dem Terrorismus längst entsagt hatten, als die Polizei sie zwischen Ende Januar und Anfang März dieses Jahres faßte. Doch fangen lassen wollte sich keiner von ihnen. Sie lebten mit gefälschten Pässen und bis zur Unkenntlichkeit verändertem Aussehen auf der Flucht sowohl vor ihren einstigen Genossen wie vor dem langen Arm "van het Bundeskriminalamt", wie holländische Kriminalistenkollegen die Talente der Wiesbadener respektvoll umschrieben. Bei dem noch in Freiheit verbliebenen Rest des harten Kerns der einstigen Baader-Meinhof-Gruppe muß sich blankes Entsetzen breitgemacht haben, als im Spätwinter 1981 klar wurde, daß weder Zeitablauf noch die völlige Preisgabe der eigenen Identität vor dem Zugriff der Verfolger schützen.

"Bommi" Baumann steht seit 1971 auf der Fahndungsliste – wegen Teilnahme an den ersten Banküberfällen der "RAF" in Berlin, wegen versuchten Mordes an einem Polizisten und wegen vollendeten Mordes an einem Arbeiter, der beim Sprengstoffanschlag auf den britischen Yachtclub in Gatow ums Leben kam. Baumann, damals 23, heute 33 Jahre alt, ist seitdem durch die halbe Welt gereist.

Von der DDR abgeschoben

Er lebte, zusammen mit Knoll, eine Zeitlang an der Baga-Beach in Goa (Indien), später in Afghanistan unweit vom Khaiber-Paß, bis die Russen einmarschierten, danach als "Punker" in London, wo er schließlich gefaßt wurde. Wovon er lebte, wird sich wohl noch herausstellen. Die Honorare seines 1975 beim Münchener Trikont-Verlag erschienenen Buches: "Wie alles anfing" dürften allein kaum ausgereicht haben, ihn ein Jahrzehnt lang zu ernähren.