Im vergangenen Jahrzehnt ist es in der Bundesrepublik um die amerikanischen Investment-Fonds still geworden. Nur noch knapp über 20 bieten bei uns ihre Anteile an. In der Blütezeit ausländischer Investment-Fonds in der Bundesrepublik waren es mehr als 500. Die meisten wurden durch die strengen Bestimmungen der Gesetze über den Vertrieb ausländischer Investmentanteile von 1969 vertrieben.

Vom deutschen Markt zurückgezogen haben sich nicht nur die unseriösen Fonds, sondern auch jene, die in den USA hohes Ansehen genießen und dort der aufmerksamen Aufsicht der amerikanischen Börsenkontrollbehörde SEC unterliegen. Die Hyänen des Gewerbes, allen voran der IOS-Gründer Bernie Cornfeld, hatten den deutschen Markt für Übersee-Fonds gründlich kaputtgemacht. Hinzu kam, daß der Besitz von Dollar-Papieren für den deutschen Sparer wegen des ständigen Kursverfalls des Dollars zu einem mehr oder weniger großen Verlustgeschäft wurde.

Heute haben sich die Gewichte verschoben. Während früher stets ein großer Teil der von den US-Fonds erzielten Anlageerfolge durch den Kursverfall des Dollar aufgezehrt wurde, verdient der deutsche Anleger heute bei den Dollar-Fonds gleich zweimal: an der festen Tendenz der amerikanischen Aktien und am Anstieg des Dollar-Kurses gegenüber der Mark. Folglich war der Wertanstieg der Anteile der Dollar-Fonds für deutsche Anleger im Jahre 1980 deutlich größer als in Dollar gerechnet, wie aus der Tabelle ersichtlich ist. Dabei stehen die beiden Pioneer Funds lediglich als Beispiel. Sie haben durch ihren deutschen Repräsentanten exakte Angaben über die Wertentwicklung der vergangenen Jahre vorgelegt.

An dieser Doppelbewegung (steigende Aktienkurse plus steigender Dollarkurs) haben auch die Anteilseigner der deutschen Investment-Fonds verdient, soweit diese ihre Anlagen auf nordamerikanische Aktien konzentrierten. An der Spitze "Transatlanta", wo unter Berücksichtigung der im vergangenen Jahr erfolgten Ausschüttung eine Wertsteigerung von rund 70 Prozent eingetreten ist. Die deutschen Investment-Manager haben es also gelernt, sich auf dem komplizierten amerikanischen Aktienmarkt erfolgreich zu bewegen. Von dieser Seite werden es die US-Fonds, wenn sie jetzt wieder auf dem deutschen Markt werben, schwerer haben als vor einem Jahrzehnt.

Entgegen kommt ihnen indessen ein Argument, das vor zehn Jahren nur eine untergeordnete Rolle spielte, nämlich die regionale Streuung der Ersparnisse. Es ist kein Geheimnis, daß sich viele Bundesbürger Sorgen um die Werterhaltung ihrer Ersparnisse machen. Man kann solche Bedenken als unbegründet abtun, vom Tisch lassen sie sich nicht mehr wegschieben in einem Land, in dem die Zunahme der Staatsverschuldung ein beunruhigendes Tempo vorlegt, in dem starke politische Gruppen versuchen, die deutsche Wirtschaft vom Fortschritt (Verkabelung, Kernenergie) abzukoppeln und in dem die öffentliche Sicherheit nicht mehr zu jeder Zeit und überall gewährleistet ist.

Das scheinen die Hauptgründe zu sein, warum viele deutsche Bankkunden ihre ausländischen, vorwiegend amerikanischen Wertpapiere nicht von ihrem heimischen Kreditinstitut verwalten lassen, sondern von einer amerikanischen Bank. Damit unterwerfen sie sich zwar der komplizierten und teuren amerikanischen Erbschaftsteuer; doch sie nehmen dies als Preis für eine in ihren Augen höhere Sicherheit in Kauf.

Wer amerikanische Investmentanteile von seiner deutschen Bank verwalten läßt, bekommt die jährlichen Ausschüttungen nach Abzug der amerikanischen Steuer auf seinem Konto gutgeschrieben. Bis dahin erfährt der deutsche Fiskus nichts von solchen Einnahmen. Wer es allerdings versäumt, sie in der Einkommensteuererklärung anzugeben, kann nicht auf die Segnungen des Doppelbesteuerungsabkommens zurückgreifen.