In einer Mischung ans Lob und sanftem Tadel geht Spaniens politische Führung daran, die Streitkräfte nach dem gescheiterten Putschversuch zu disziplinieren.

Eine Woche nach der längsten "Nacht der Demokratie" ermahnte König Juan Carlos bei einem Besuch der Militär-Akademie von Saragossa das Militär zu Verfassungstreue und Disziplin. Doch die milde, um Vertrauen werbende Rede des Königs wurde auch als Beweis dafür verstanden, daß sich die Soldaten immer noch in tiefer Erregung befinden. Nach der Verhaftung von vier Generälen in höchsten Positionen und über zwanzig Offizieren, die aktiv an dem Komplott beteiligt waren, sind besonders die Kasernen der Armee (Spaniens Marine und das Luftheer waren nicht an dem Putschversuch beteiligt) in Anhänger und Gegner gespalten.

Allgemein wird die Zahl der verfassungstreuen Offiziere auf knapp die Hälfte des hochkonservativen, durch den franquistischen Ehrenkodex geprägten Offizierskorps geschätzt. Fast jeder zweite Offizier wird verdächtigt, mit rechtsextremen Putschisten zu sympathisieren. Das rechtsradikale Hetzblatt El alcazar, das immer noch zur Vorzugslektüre in Spaniens Kasernen gehört, hat eine breit angelegte Kampagne zur Verherrlichung der Putsch-Offiziere begonnen.

Die vier inhaftierten Generäle genießen Vorzugsbehandlung in den Militärgefängnissen; sie waren mit fast militärischen Ehren empfangen worden. Über 200 der fast 300 guardias civiles, mit denen Oberstleutnant Tejero das Parlament überfiel, wurden inzwischen entlassen. Die militärischen Untersuchungsrichter rechneten ihnen an, daß sie von ihren Vorgesetzten getäuscht worden waren.

Diese auffällige Milde für die Putschisten geht mit demonstrativen Beschwörungen einher, durch die Spaniens Regierungschef Calvo Sotelo die besorgte Öffentlichkeit zu beruhigen versucht. Für den Suarez-Nachfolger ist der Putsch zwar "historisches Ereignis", jedoch auch "vorübergehende Episode" gewesen: Solche schillernden Interpretationen sind typisch für die Art und Weise, mit der die Regierung die Armee immer wieder besänftigen will.

Bereits die brüske Art, mit der das Koalitions-Angebot der Sozialisten zurückgewiesen wurde, galt vielen als Beweis dafür, daß Calvo Sotelo höheren Orts die Hände gebunden werden. "Ich weiß nicht, vor wem er Angst gehabt", sagte Sozialisten-Chef Felipe Gonzalez, als man ihn nach den Motiven für diese Absage befragte.

Drei weitere Handlungen der Regierung wurden als Zurückweichen vor den Militärs interpretiert: