Wenn die Delegierten vom Donnerstag bis Samstag dieser Woche auf dem außerordentlichen Bundeskongreß des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) über ein neues Grundsatzprogramm, das dritte seit 1949, ihrer Organisation beraten, dann werden sie dabei auch über das Wörtchen "damit" streiten.

Soll es heißen, die Gewerkschaften nähmen die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen aller Arbeitnehmer wahr "und dienen den Erfordernissen des Gesamtwohl"? Oder soll es heißen "... und dienen damit den Erfordernissen des Gesamtwohls"?

Feinheiten, sicher, die auch eine gewisse programmatische Bedeutung haben. Kann man doch die Verpflichtung auf das Gesamtwohl abhaken, wenn sie "damit" erfüllt ist. Aber dienen solche Winkelzüge der Klarheit und Wahrheit eines Grundsatzprogramms? Daß der DGB dem Gesamtwohl oder dem Gemeinwohl dienen will, ist eine wichtige und notwendige Feststellung, und die Delegierten sollen sie ohne Wenn und Aber, ohne spitzfindiges Beiwerk treffen.

Aber so ist dieses Grundsatzprogramm. Da werden viele Worte gemacht, zu viele Worte, so daß Wichtiges unterzugehen droht oder verwaschen klingt. Selbstverständliches und Unbedeutendes aber unverhältnismäßig weitschweifig betont wird.

So ist es für unseren Staat sicher wichtig, wenn die Gewerkschaften "das Widerstandsrecht der Verfassung" für sich in Anspruch nehmen, um parlamentarische Demokratie und Grundrechte wahren zu wollen. Sie begegnen damit dem Trauma, daß die Gewerkschaften sich 1933 fast widerstandslos dem braunen Terror beugten. Aber müssen sie deshalb in einem Grundsatzprogramm sich selber auf die Schulter klopfen und langatmig "die stolzen Erfolge der Arbeiterbewegung in der Vergangenheit" feiern?

Wer viele Worte macht, gerät leicht in den Verdacht, daß er wenig zu sagen hat. Gilt das auch für den DGB? Von Mal zu Mal wird sein Grundsatzprogramm länger und detaillierter.

In 30 Punkten werden diesmal nach einer umfangreichen Präambel die Grundsätze, Wünsche und Forderungen der Gewerkschaften abgehandelt, von "Arbeitnehmerrechten" bis zu "Kunst und Kultur". Dabei meint der DGB zu "Wissenschaft und Forschung" ebenso wie zu "Presse, Funk und Fernsehen" Grundsätzliches beisteuern zu müssen.