Schon der Vierjährige hatte eine so starke Abneigung gegen das modische Herausgeputztwerden, daß er ihr auf drastische Weise Ausdruck verlieh: Angetan mit dem goldbestickten Erwachsenenanzug und der unerläßlichen Puderperücke, um in diesem Aufzug der Gesellschaft vorgeführt zu werden, verkroch er sich im Kamin, aus dem er erst wieder hervorkam, wenn die Besucher schon anwesend waren – völlig verrußt. Seine Erzieherin, eine aus Frankreich eingewanderte Protestantin, hatte vor solchem Auftritt jedesmal Angst.

Doch es gab schlimmere Tage für sie. Einmal hat er – wie ein extra aufgenommenes Protokoll für alle Zeiten festhielt – während des Ankleidens, das er nur widerwillig über sich ergehen ließ, eine kleine vergoldete Schuhschnalle, die man ihm hatte wegnehmen wollen, in den Mund gesteckt und verschluckt. Erst mit Hilfe eines Abführmittels konnte die Schnalle wieder an den Tag gebracht werden, die dann in der Raritätenkammer des Schlosses verwahrt wurde.

Ein anderes Mal, als seine Erzieherin ihm Prügel angekündigt hatte, kletterte er auf die äußerste Brüstung eines offenen Fensters und begann von da mit seiner Erzieherin über die angedrohte Strafe zu verhandeln.

Bis zu seinem siebten Lebensjahr wurde er nur von Frauen er- und verzogen. Dann wurde er einem Erzieher anvertraut. Der sollte ständig bei ihm sein, mußte ihn an- und auskleiden, nachts bei ihm im Zimmer schlafen, mußte aufpassen, daß er sich zwischen den Mahlzeiten nicht an Obst und Konfekt überesse, und er mußte alle Fremden von ihm fernhalten.

Die Mutter, eine sehr kluge und gebildete Frau, war mit dieser Art von Erziehung nicht einverstanden. Und später, nachdem auch andere Erzieher nicht viel bewirkt hatten, warf sie dem Verantwortlichen vor, er habe ihr bei der Erziehung des Sohnes entgegengearbeitet, habe ihn verwahrlosen und verdummen lassen wollen. Der Sohn ging den für ihn bequemeren Weg. Zum Beispiel zeigte er keine große Neigung, Französisch zu lernen, das seine Mutter ganz ausgezeichnet sprach. Auch für Philosophie und andere Wissenschaften, die seiner Mutter am Herzen lagen – sie war mit einem der bedeutendsten Philosophen befreundet –, interessierte er sich nicht. Selbst Schreiben zu lernen, empfand er als eine einzige Qual; er ließ Buchstaben aus, zog Wörter zusammen, die getrennt bleiben mußten, und sagte bei seinen Schreibübungen: "Ich schwitze Blut und Wasser.

Schreiben fiel ihm sein, ganzes Leben schwer. Aber er war mächtig genug, andere für sich schreiben lassen zu können, während er sich im wesentlichen auf Randnotizen beschränkte. Er war auch kein Freund des Lesens. Doch ließ er sich täglich aus sehr; vielen Zeitungen vorlesen, und zwar aus Berliner, Hamburger, Leipziger, Breslauer, Wiener, Frankfurter sowie aus holländischen und französischen Zeitungen.

Seine liebste Beschäftigung aber war die Jagd. Bei den sich über Wochen hinziehenden Parforcejagden im Herbst wurden an einem Tage von ihm und seiner Jagdgesellschaft nicht selten 1500 Damhirsche und Rehe und 4000 Wildschweine erlegt. Da er aus allem immer auch Profit zu machen wußte – er war ein sparsamer Mann, der seinem Nachfolger eine wohlgefüllte Staatskasse hinterließ –, schickte er die erlegten Stücke seinen Beamten, aber auch Kaufleuten und anderen Bürgern, die für jedes Tier, je nach Art und Größe, 3 bis 6 Taler zahlten. Anders war es mit den Rebhühnern, von denen er allein jährlich viertausend Stück schoß. Die gehörten dann seiner Frau, die ihn – so war es in einem Kontrakt festgelegt. – dafür mit Pulver und Blei versorgte.