Die durch das Erscheinen einjähriger Zwölfprozenter ausgelöste Anlagewelle hält an, obwohl die begehrten Zwölfprozenter längst vom Markt verschwunden sind. Bei den Papieren mit Laufzeiten von zehn Jahren sind die Renditen innerhalb weniger Tage von 10,8 auf etwa 9,8 Prozent gesunken. Der Bund braucht, falls er jetzt mit einer neuen Anleihe herauskäme, nicht einmal mehr einen Nominalzinssatz von zehn Prozent zu bewilligen.

In Kreisen der Rentenhändler wird die Meinung vertreten, daß der Zins in der Bundesrepublik zwar an seine Decke gestoßen ist, aber mit einer nachhaltigen Zinssenkung noch nicht gerechnet werden kann. Dazu sei der Kapitalbedarf der öffentlichen Hände zu hoch. Immerhin hat sich aber gezeigt, daß die Mark zur Zeit ein attraktives Zinsniveau besitzt. Ausländer, vor allem auch Japaner, haben in den letzten Tagen auf Mark lautende Papiere erworben.

Auch am Aktienmarkt haben die Ausländer weiter gekauft. In den letzten Tagen beteiligten sich inländische Anleger ebenfalls an den Käufen, ungeachtet aller konjunkturellen Sorgen. Daß dabei Mut an den Tag gelegt wird, macht der Anstieg der Stahl-Aktien deutlich, Papiere einer Branche, der es kaum noch schlechter gehen kann als gegenwärtig. Dennoch ist der Klöckner-Kurs von seinem diesjährigen Tiefstkurs bis heute um 52 Prozent gestiegen. Klöckner legt zum erstenmal seit Jahren einen ausgeglichenen Abschluß vor. Der Hoesch-Kurs erholte sich um 33 Prozent, der Thyssen-Kurs um 24 Prozent und die Krupp-Vorzugsaktien um 54 Prozent.

Kurt Wendt