Der erste Abschluß In der diesjährigen Tarifrunde lag – in der Bauwirtschaft – bei vier Prozent. 19 Wirtschaftswissenschaftler finden das noch zu hoch.

Gerhard Fels, Mitglied des Sachverständigenrates:

  • Herr Professor Fels, wie beurteilen Sie nach den bisherigen Ergebnissen die Lohnrunde des Jahres 1981?

Fels: Bisher liegt im wesentlichen das Ergebnis für die Bauwirtschaft vor, ein Abschluß von vier Prozent mit einigen Nebenleistungen. Ein solcher Abschluß liegt sicherlich im Rahmen dessen, was allgemein erwartet wird, trägt aber den gesamtwirtschaftlichen Erfordernissen in einer so schwierigen Situation wie der gegenwärtigen nicht Rechnung.

  • Welche Folgen werden die voraussehbaren Tarifabschlüsse von vier bis fünf Prozent für die deutsche Wirtschaft haben? Fels: Wenn man sich jetzt nicht zu einem noch mäßigeren Abschluß oder gar zu einer Lohnpause versteht, dann hat dies zur Folge, daß die Konjunkturwende wahrscheinlich erst später eintreten wird, nicht im Frühsommer oder Sommer dieses Jahres, vermutlich erst zum Herbst.
  • Sie gehören zu. den 19 Wirtschaftswissenschaftlern, die sich für eine Lohnpause eingesetzt haben. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Fels: Entscheidend war, daß die deutsche Wirtschaft auf den internationalen Märkten sehr schwer zu kämpfen hat und daß wir unsere Preise und unsere Kosten im internationalen Wettbewerb reduzieren müssen, wenn wir wieder zur Vollbeschäftigung und zu außenwirtschaftlichem Gleichgewicht zurückkehren wollen. Die Überlegung war deshalb, jetzt ein Signal zu setzen, das sich auf die internationale Bewertung der Mark auswirkt, damit wieder eine Aufwärtstendenz der D-Mark einkehren und die Bundesbank dann niedrigere Zinsen zulassen kann ohne Gefahr für die Geldwertstabilität.

  • Nun hat der Aufruf zur Lohnpause das Handeln der Tarif Parteien, nicht beeinflußt. Wie erklären Sie sich das?