Eine Strategie zum Schutze der ursprünglichen Alpenlandschaft hatte sich ein Symposium zum Ziel gesetzt, das von den Alpenvereinen der Bundesrepublik, Österreichs und Südtirols veranstaltet wurde. Es führte über 300 Wissenschaftler, Politiker und Vereinsfunktionäre in Hall in Tirol zusammen.

Der Bischof von Innsbruck, Stecher, – selbst passionierter Bergsteiger – mahnte, dem Auftrag der Schöpfungsgeschichte, den Garten Eden gleichermaßen zu behüten und zu bebauen, in seiner Gesamtheit Rechnung zu tragen. Der Schweizer Wissenschaftler Krippendorf wurde seinem Nimbus als unermüdlicher Prediger gegen die drohende Gefahr einer "Alpen-Apokalypse" (der Tourismus frißt seine Kinder, Gäste wie Gastgeber) vollauf gerecht. Er forderte voller Ungeduld, der Sammlung wissenschaftlicher Thesen und Argumente gegen einen menschen- und Umweltfeindlichen Fremdenverkehr nun endlich Gegenmaßnahmen folgen zu lassen.

Die angestrebte Strategie läßt sich mit Hilfe einiger Grundsätze skizzieren: Das Volumen des Tourismus wird unaufhaltsam – im Alpenraum überproportional – wachsen. Deshalb wollen die Alpenvereine die Touristenströme in wenig erschlossene, unberührte Alpenregionen umleiten. Zur Unterstützung solcher Programme werden sie beträchtliche finanzielle Eigenmittel für die sinnvolle Verbesserung der Infrastruktur (Wanderwege, Unterkunftskomfort) in diesen Regionen aufwenden. Grundlage solcher Überlegungen ist die Auffassung, daß auch die Bergbevölkerung Anspruch habe auf Einnahmen durch den Tourismus.

Zugleich sollen didaktisch ausgerichtete Programme alle Betroffenen, die Alpenbewohner und ihre Gäste, die Touristikunternehmen und die Politiker, auf die gefährdete Natur dieses Gebirges aufmerksam machen und Schutzmaßnahmen ermöglichen. Besonders der Fremdenverkehrswirtschaft soll begreiflich gemacht werden, daß die unversehrte Urlaubslandschaft ihr Rohstoff ist, der, wenn er vergeudet ist, kaum wiederzubeschaffen ist. Hans-Joachim Benzing