Der Bürgerkrieg in El Salvador geht unvermindert weiter, aber die Chancen für eine politische Vermittlung sind gestiegen – auch in den Vereinigten Staaten.

In Washington erklärte ein Regierungssprecher: "Unser Eindruck ist; daß dieses Thema in der Presse fünfmal größer aufgemacht wird, als es das verdient." Nach Wochen propagandistischen Sperrfeuers aus dem Weißen Haus hat sich nun auch die Reagan-Mannschaft zu der Einsicht bekannt, daß eine friedliche Lösung "wünschenswert" sei. So verlautete es während des Reagan-Besuches Mitte voriger Woche in Kanada.

Die streitenden Parteien bewegen sich allerdings nur millimeterweise aufeinander zu. Die "Demokratische Revolutionäre Front" verlangt weiterhin von dem Christdemokratischen Präsidenten Duarte einen "Beweis", daß er – und nicht das Militär – El Salvador regiere. Duarte hat einige Verhaftungen rechtsextremer Offiziere angeordnet, ohne damit die Opposition überzeugen zu können.

Immerhin versuchen die Christdemokraten und Sozialdemokraten Europas, ihre lautstark ausgetragenen Salvador-Differenzen beizulegen. Ein Gespräch zwischen Hans-Jürgen Wischnewski (SPD) und Heiner Geissler (CDU) hat den Bonner Streit merklich gedämpft. Willy Brandt hat mit dem italienischen Christdemokraten Mariano Rumor die Möglichkeit einer gemeinsamen Aktion besprochen, und der Führer der salvadorianischen Opposition, Guillermo Manuel Ungo, hat in der vorigen Woche Rumor in Rom und die SPD in Bonn besucht.

Ungo, Parteichef der (sozialdemokratischen) "Nationalrevolutionären Bewegung", ist wie seine Gesprächspartner davon überzeugt, daß es ohne die USA keine Lösung geben wird. Offen ist freilich noch, in welcher Form Washington zu Gesprächen gewonnen werden kann; die Lateinamerika-Sektion der "Sozialistischen Internationale" bietet sich weiterhin als Vermittler an.

Denn militärisch hat sich in dem mittelamerikanischen Zwergstaat eine Patt-Situation ergeben. Die Guerilla hält sieben "Inseln" – drei relativ große an der Grenze zu Honduras und am Golf von Fonseca, der El Salvador vom Nachbarland (und Waffenliefeten) Nicaragua trennt, und vier kleinere im gebirgigen Landesinneren, alles in allem ein knappes Fünftel des Staates. Die großen Städte und Straßen beherrscht das Militär, das in diese "Inseln" zwar vorstoßen, sie aber auf Dauer nicht halten kann. Die Guerilla hat ein Viertel ihrer Kämpfer seit Anfang 1980 verloren; beide Seiten besitzen zur Zeit genug Waffen, aber zuwenig Mannschaften.

Diese Lage hat eine Debatte ausgelöst, ob die Opposition das Konzept des ,,verlängerten Volkskrieges" (Guerilla-Aktionen auf dem Lande, Organisation der Bevölkerung) verfolgen oder sich auf Verhandlungen einlassen soll. Guerra populär prolongada hieße Kampf bis zur vollständigen Revolution einschließlich des Risikos, von der Armee doch noch besiegt zu werden, and der Gefahr, daß die reformistischen Gruppen abspringen.