Mit vollem Munde und leeren Händen reisen sowjetische Emissäre durch deutsche Lande. Sie propagieren den Stationierungsstopp für neue Mittelstreckenraketen, der Moskaus Übergewicht festschriebe. Der Kreml ist besorgt, daß bei der Verwirklichung des Nato-Nachrüstungsbeschlusses zum erstenmal nicht nur Interkontinentalraketen, sondern auch 527 Mittelstreckenwaffen aus Europa auf sowjetisches Territorium zielen würden.

Breschnjews Position ist unbeweglich, weil er seinen Militärs vor Jahren die Mittel einräumte, um mit den SS-20 davonzuziehen. Die Generäle lassen sich den Vorsprung nicht mehr abhandeln. Inzwischen rückt das Nachrüstungsjahr 1983 immer näher. Präsident Reagan wird die Uhren nicht anhalten. Nun sollen Moskaus Abgesandte die bundesdeutsche Öffentlichkeit mobilisieren. Das wird am Ende nichts einbringen und nur wertvolle Zeit kosten.

Doch jene schlecht informierte akademische Provinz, wie sie der SPD-Unterbezirk Bonn repräsentiert, der soeben den Nato-Doppelbeschluß abgelehnt hat, bestärkt die Sowjets in ihrer Fehlspekulation. Dabei liegt der einzige Ausweg in der Rüstungsbegrenzung auf möglichst niedrigem Niveau, wie sie der Doppelbeschluß anbietet. Haig und Genscher haben Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Genf, nicht Bonn ist der Ort, an den der Kreml alles weitere zu adressieren hat. C. S.-H.