Heftige Kontroversen hatte vor drei Monaten ein Artikel von Viola Roggenkamp in der ZEIT (Nr. 46/80) ausgelöst, in dem sie Frauenquoten für die Universitäten fordertet. Ohne feste Quoten, so schrieb sie, sei die Benachteiligung der Frauen an den Hochschulen nicht zu beheben. Damit griff sie einen Beschluß des Akademischen Senats der Freien Universität Berlin auf, der seinerzeit alle Fachbereiche der Universität aufforderte, bei Stellenbesetzungen "Wissenschaftlerinnen besonders zu fördern, um zukünftig mindestens die Hälfte der freiwerdenden Stellen mit Frauen zu besetzen".

Daraus ist nichts geworden. Frauenquoten wurden in Berlin abgelehnt. Immerhin aber hat die Freie Universität jetzt beschlossen, eine Zentraleinrichtung für Frauenstudien und Frauenforschung zu schaffen.

Damit wird nicht nur die Zahl der "frauenspezifischen" Themen an der Uni erhöht. Auch die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen steigt sprunghaft an: An der Forschungsstelle sollen drei Frauen beschäftigt werden!

Dabei hat gerade der Hochschulverband das "Stehvermögen" der Frauen an den Universitäten gelobt. Auf einer Tagung in Darmstadt klagten die Hochschullehrer laut FAZ zwar über die "charakterlichen Schwächen" der heutigen Studenten. Sie seien psychisch nicht belastbar und wirkten daher auch "physisch matt". Wer einmal den Weg der "Weichlichkeit" beschritten habe, der durch die Abwahl schwieriger Fächer in der reformierten Oberstufe möglich würde, tue sich schwer, sich im Studium wieder zu "ermannen". Doch am ehesten, so erklärte der Göttinger Physikprofessor Harten, gelinge dies noch den weiblichen Studenten.

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Ein erster Schritt zur Verwirklichung der "erlaßfreien Schule" wurde jetzt in Niedersachsen getan. In einem gemeinsamen Brief an alle Schulen des Landes forderten der Kultusminister, der Deutsche Lehrerverband, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie der Landeselternrat und der Landesschülerrat die Lehrer auf, "möglichst eindeutig und offen zu sagen, welche Regelungen das Unterrichten und das Leben an der Schule am meisten belasten". Bis Ende Mai sollen die Schulen antworten.

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