Feuilleton

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DIE ZEIT

Aus 2 mach 1

In Berlin geschehen Zeichen und Wunder. Der West-Senat machte dem Ost-Magistrat an Schinkels 200. Geburtstag ein großzügiges Geschenk: Die marmornen Skulpturen von Schinkels Schloßbrücke, die am Ende des Krieges im Westen der Stadt in Sicherheit gebracht wurden und seither im alten Kreuzberger Pumpenhaus zusammengepfercht standen, kehren zurück, damit sie wieder wie einst die Prachtstraße Unter den Linden krönend beschließen.

Etwas Zensur gefällig?

Johannes Rau gab sich im Fernsehen noch relativ zurückhaltend, ganz besorgter Landesvater: Er wolle prüfen, ob "gesetzliche Maßnahmen" gegen Sendungen von draußen möglich seien.

Eine Politik mit Wenn und Aber

Ein erstaunlicher Kontrast! Fast zur gleichen Zeit, da eine Welle von Demonstrationen über die Bundesrepublik hinwegrollte, die den bayerischen Ministerpräsidenten Strauß zum Vergleich mit der "Endphase der Weimarer Republik" veranlaßte, machte Bundeskanzler Helmut Schmidt auf dem Kongreß "Kant in unserer Zeit" in kühl-akademischer Umgebung "Bemerkungen zu Moral, Pflicht und Verantwortung des Politikers".

Falscher Weg

Mit vollem Munde und leeren Händen reisen sowjetische Emissäre durch deutsche Lande. Sie propagieren den Stationierungsstopp für neue Mittelstreckenraketen, der Moskaus Übergewicht festschriebe.

Fragen an Reagan

Zufriedenheit herrscht auf beiden Seiten des Atlantiks: Die ersten Kontakt-Auf nahmen zwischen der neuen amerikanischen Regierung und Besuchern aus Rom, Paris, London und Bonn sind verheißungsvoll verlaufen.

Worte der Woche

"Es herrscht bei vielen durch das Volk Gewählten die Meinung, daß man Strömungen rechtzeitig zu erkennen und entweder kalt wie ein Fisch darin oder sogar oberflächlich wellenreitend mitzuschwimmen habe, um die Wählergunst zu erhaschen.

Zeitspiegel

Ungarn will nach Berichten aus Pariser Banckreisen am Euromarkt einen Kredit über 500 Millionen Dollar mit sieben Jahren Laufzeit aufnehmen.

Auch etwas Radau

Wie soll der Staat den Hausbesetzern begegnen? Meine Antwort lautet: gelassen. Aber die Gelassenheit kann nicht so weit gehen, daß die öffentliche Hand am Ende gelassen zusieht, wenn der demokratische Rechtsstaat zerbröckelt.

Rechtsstaat à la Nürnberg

Wenn in der Bundesrepublik rechtens werden, sollte, was der freiheitliche Rechtsstaat Bayern vor zwei Wochen in Nürnberg angerichtet hat und seither praktiziert, bedürfte es umfangreicher Erneuerungen.

Hausbesetzungen: Kaum ein Terrorist dabei

Hausbesetzer und Terroristen: das ist für Franz Josef Strauß und andere ein Thema, das sie in riesigen Lettern abhandeln. Schon beim Politischen Aschermittwoch in Passau, vor den Nürnberger Massenverhaftungen, sprach der CSU-Vorsitzende davon, daß die Hausbesetzer "häufig zu einem Kern neuer terroristischer Aktionen" würden.

Hungerstreik: Das Leben als Waffe

Auf die "Propaganda der Tat" verstehen sich die deutschen Terroristen allemal: Brandanschlag auf die Wohnung eines Heidelberger Bild-Journalisten – Parolen an der Kuppel der Hamburger Universität – Benzinbombe gegen das Berliner Reichstagsgebäude: Solchermaßen wollten Anhänger der "Rote Armee-Fraktion" (RAF), der "Bewegung 2.

Wahlkampf in Israel: Stehaufmann Dajan

Ich habe ein Auge verloren. Ich bin an Krebs operiert worden. Einige Glieder sind mir gebrochen" – warum, so fragt der 65jährige Mosche Dajan, soll er sich deshalb aufs Altenteil zurückziehen? So kommt es, daß er in Israel wieder in aller Munde, in allen Schlagzeilen, auf sämtlichen Radio- und Fernsehkanälen ist.

Namen und Nachrichten

Alle möglichen juristischen Einwände gegen den Bau einer dritten Startbahn auf dem Frankfurter Flughafen sind ausgeräumt. Das Bundesverwaltungsgericht in Berlin lehnte einen Antrag ab, mit dem die Gegner der Startbahn West eine Berufungsverhandlung durchsetzen wollten.

Frankreich: Schützenhilfe aus dem Kreml

Es wäre nicht verwunderlich, wenn Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing in den nächsten Tagen oder Wochen Besuch vom sowjetischen Botschafter in Paris bekäme.

Iran: Untauglicher Vorschlag

Zwei Wochen lang hat Ajatollah Chomeini dem bitteren Machtkampf in Teheran zugesehen. Dann beorderte der greise Revolutionsführer die Kontrahenten zu sich, um ihre Streitigkeiten zu schlichten.

Verhaftung und Festnahme

Die Polizei darf den einer Straftat Verdächtigen vorläufig; festnehmen, wenn sie ihn auf frischer Tat ertappt oder unmittelbar danach verfolgt.

El Salvador: Volkskrieg oder verhandeln?

In Washington erklärte ein Regierungssprecher: "Unser Eindruck ist; daß dieses Thema in der Presse fünfmal größer aufgemacht wird, als es das verdient.

"Vom Ansatz her falsch"

Im Bundesrat geriet Bayern wieder einmal auf die Sünderbank. Hamburg hatte einen Gesetzentwurf eingebracht, der eine gleichmäßige Verteilung von Asylanten auf die Bundesländer bewirken soll.

Politische Bildung: Dynamisch, aber ohne Richtung

Auch nach dem aufgeregten Getümmel um Richtlinien, Curricula und Programme des politischen Unterrichts in den siebziger Jahren, geht das Geschäft mit der politpädagogischen Literatur noch immer glänzend.

Durch eine fremde Brille

Wer Ausländer nach den besonderen Kennzeichen der Deutschen fragt, bekommt meist Antworten, in denen Fleiß, Pünktlichkeit, Disziplin, aber auch Humorlosigkeit und in jüngster Zeit Pessimismus und Wehleidigkeit vorkommen.

Matthöfer in der Klemme

Die Fetzen sind nicht geflogen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Roth, der dies vor einem Gespräch der Wirtschaftsexperten seiner Fraktion mit Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl am vergangenen Dienstag vollmundig angekündigt hatte, saß brav da und spitzte die Ohren so ruhig und so interessiert wie alle seine Fraktionskollegen, die Pohls Darstellungen über Zinsen, Wechselkurs und Staatsverschuldung lauschten.

Margaret Thatcher: Warnschuß

Um Margaret Thatcher herum wird es einsamer. Im Kabinett verstärkt sich der Widerstand gegen ihre Wirtschaftspolitik. Außer dem Schatzkanzler erfuhren alle anderen Minister den Inhalt des Budgets erst wenige Stunden vor der Bekanntgabe.

Bonner Kulisse

Die Feststellung von Bundesdisziplinaranwalt Hans Rudolf Claussen, der Griff zur Flasche unter den Bundesbediensteten sei nach wie vor besorgniserregend – 66 Prozent aller Dienstverfehlungen geht auf das Konto der Alkoholschlucker im Dienst – hat in der Öffentlichkeit weniger Empörung ausgelöst, als Claussens Kritik daran, daß die Postbeamten, die sich am Poststreik vom vergangenen Herbst beteiligt hatten, nicht disziplinarisch zur Rechenschaft gezogen wurden.

Preisbindung: Durch die Hintertür

Vor acht Jahren schaffte der Gesetzgeber die Preisbindung der zweiten Hand ab. Jetzt versucht die AEG-Tochter Telefunken die Endpreise ihrer Fernseh- und HiFi-Geräte für die gesamte Bundesrepublik einheitlich festzulegen.

Waffenentwicklung: Die Einsicht kam spät

Aus Paris wird vorerst auf diplomatischen Kanälen Ärger darüber signalisiert, daß der deutsche Verteidigungsminister nicht mehr weiter bereit ist, zusammen mit Frankreich einen neuen Kampfpanzer der 90er Jahre zu entwickeln.

Kurt Biedenkopf: Renten-Rat

Schon Mitte der fünfziger Jahre haben Fachleute davor gewarnt, daß das System einer bruttolohnbezogenen Rente – die Alterseinkünfte wachsen in einem zeitlichen Abstand wie die Bruttolöhne – auf die Dauer nicht finanzierbar sein werde.

Trotz geplatzter Großaufträge: Die deutschen Anlagenbauer liegen international immer noch gut im Rennen: Zum Export verurteilt

Gut Ding will Weile haben. Diesen Spruch könnten sich die Thyssen-Manager eigentlich rahmen lassen. Als die ZEIT Ende 1979 erstmals eine Übersicht über die großen Auslandsaufträge der deutschen Industrie veröffentlichte, gehörte ein Raffinerieprojekt in Alaska im Auftragswert von 2,6 Milliarden Mark zu den aufwendigsten Anlagen, die deutsche Ingenieure für ausländische Besteller entwerfen sollten.

Walther A. Bösenberg

In Japan wurde IBM jetzt erstmals von einem einheimischen Produzenten vom Platz eins unter den Computerherstellern verdrängt.

Österreich: Zu locker gelebt

Der Traum der Österreicher, auf einer wirtschaftlichen Insel der Seligen zu leben, ist ausgeträumt. Fast jede Woche gibt es eine spektakuläre Firmenpleite, unter den Gescheiterten sind renommierte Namen.

Chemie: Wie gesponnen, so zerronnen

Die Firmenleitung dachte im Futur. "Der Vorstand ist zuversichtlich", so konstatierte Zum Jahresanfang die Führung des Faserherstellers Enka AG, "daß diese Maßnahmen einen unerläßlichen Beitrag zur Zukunftssicherung der Enka-Gruppe darstellen.

Ein Signal setzen

Fels: Bisher liegt im wesentlichen das Ergebnis für die Bauwirtschaft vor, ein Abschluß von vier Prozent mit einigen Nebenleistungen.

Die organisierte Verschwendung (II)

Der moderne Staat ist zum wirtschaftlichen Moloch geworden, selbst im "kapitalistischen Westen". Nicht nur treibt er Unsummen von Steuern ein, mit denen er dann "öffentliche Güter" wie Schulen und Straßen, Armeen und Polizisten zum Allgemeinwohl der Bürger bereitstellt.

Ein preiswerterer Staat?

Die Belastung der Arbeitnefoner und der Unternehmen mit Steuern und Abgaben ist in fast allen westlichen Industrieländern in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen.

Gegendarstellung

1) Es heißt dort: "Daß der Norddeutsche Rundfunk (NDR) nach kaufmännischen Maßstäben überschuldet, also auf die Hilfe der Steuerzahler angewiesen ist, wird heute nicht mehr bestritten.

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