Bonn

Das Rheinische Landesmuseum der Bundeshauptstadt hat sich einen besonderen Gag ausgedacht, um die Bonner ins Museum zu locken: Die "Sprechstunden für Altertümchen".

Die Leute stehen Schlange. Da bringt ein junger Mann eine alte Geige – mit der leisen Hoffnung, es möge eine Stradivari oder eine Amati sein. Eine alte Dame drückt ängstlich Plastiktüten mit altem Familienporzellan an sich. Eine Familie schleppt ein Bild nach dem anderen an.

Einmal in der Woche, jeden Mittwoch zwischen 15.00 und 17.00 Uhr, halten Museums-Experten Sprechstunden ab. An manchen Tagen drängen weit über hundert Menschen mit ihren. Antiquitäten ins kleine Sitzungszimmer des Museums. Sie bringen vor allem alte Gemälde – oder scheinbar alte Gemälde, die auf Echtheit und Qualität geprüft, außerdem möglichst exakt datiert werden sollen.

Auch Kruzifixe, Porzellan, Silber, Tongefäße, Plastiken, vieles seit langem im Familienbesitz, möchte die derzeit lebende Generation begutachten lassen. Die Experten – Kunsthistoriker, eine Archäologin und eine Restauratorin – versuchen die Entstehungszeiten so genau wie nur irgend möglich auszumachen. "Das meiste", erklärt die Kunsthistorikerin Ingeborg Krüger, "ist in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts einzuordnen."

Kunsthistorische Sensationen finden in den Museums-Sprechstunden freilich kaum statt. Nur einmal war eine Zeichnung verdächtig, vom großen Meister Rembrandt zu sein. Ob der Rembrandt-Experte außerhalb des Museums, der dem Besitzer empfohlen wurde, die Vermutung auch bestätigt hat, erfuhren die Museums-Leute nicht.

Sehr oft allerdings gehen Besitzer mit ihren Altertümchen enttäuscht wieder nach Hause. Denn Familienlegenden haben im Laufe der Zeit Dichtung und Wahrheit kräftig vermischt und einem alten Gemälde oder einer Plastik einen Wert gegeben, der bei der Experten-Betrachtung nicht annähernd der Realität entspricht. Die Museums-Mitarbeiter versuchen dann mit psychogischem Feingefühl, den Sturz aus illusionären Höhen zu mildern.