Seit Valéry Giscard d’Estaing sich soeben – zum letztenmal in seinem Leben, wie er sagte – zur Wahl stellte, sollte die Liste derer, die Präsident der französischen Republik werden möchten eigentlich vollständig sein. Aber weit gefehlt. Es gibt immer noch eine Reihe Bewerber, die unter "ferner laufen ..." anzuführen wären, wollte man sie nennen. Aber diese Ehre, genannt zu werden, verdient nicht einmal der bekannteste unter ihnen, nämlich Coluche, der eine ziemlich populäre Erscheinung ist, jedoch von vielen selbst in seinem Beruf abgelehnt wird. Er kandidiert nur zum Spaß. Coluche ist Clown, trägt Netzunterhemdchen und Hosenträger, hat rotgeschminkte Wangen und eine ungewöhnlich rauhe, brüchige Stimme, die seinen ohnehin meist nicht feinen Witzen schon im Timbre etwas Gewöhnliches verleiht. Für einen Staatspräsidenten zu vulgär, so lautet die Stimme des Volkes. Mag Coluche unter "ferner laufen" laufen, er kann unmöglich ankommen. Auch den übrigen Kandidaten kann keine bessere Chance prophezeit werden. So bleibt nur die Frage interessant, nach welchen Kriterien sie angetreten und zum Start zugelassen worden sind.

Es sind einige Frauen unter ihnen. Warum auch nicht? Man braucht ja nicht gleich an die israelische Politikerin Golda Meir und an die Präsidentin des Europa-Parlaments, Mme. Weill, zu denken, um bestätigt zu finden: Unter den Frauen kann ebenso gut wie unter Männern ein guter Präsident zu finden sein. Zwei der Damen haben ihren Beruf schlicht mit "Hausfrau" angegeben. Auch hier ist die Reaktion positiv. Denn jeder weiß, Hausfrauen verstehen mehr vom Alltag des Lebens, auf den es auch in der Politik ankommt, als viele Männer. Eine andere Bewerberin, Monique Kokot mit Namen, gibt als ihren Beruf "Jardiniére d’enfants" an. Auch dies kann nur empfehlend wirken. Auf die Jugend kommt es an, so hört man ja immer wieder. Je früher man sie unter die Fittiche kriegt, desto besser. Was aber sollen wir von einer anderen biographischen Angabe halten? Monique hat nämlich durchblicken lassen, daß sie erblich dazu prädestiniert ist, das französische Volk zu lenken. Sie stamme – so sagt sie – von Napoleon ab, in direkter, wenn auch nicht gerade moralischer Linie, nicht aus einer seiner beiden Ehen, sondern aus seiner Freundschaft mit der schönen Gräfin Walewska. Eine Napoleonidin also. Was sie als Kindergärtnerin zu weich sein sollte, das würde so wieder wett-, wieder hart gemacht. Und dennoch ist ihre Kandidatur ein Schönheitsfleck auf der Kandidatenliste. Nicht, weil sie eine Frau ist, sondern weil Napoleon ein Übermännchen erster Ordnung ist.

Von den neun Bewerbern ist auch noch Mme. Marguerite Galloul zu nennen, die offiziell als Vertreterin des "dritten Alters" genannt wird, schließlich noch M. Jean Moulin, der ebenfalls eine große Volksgruppe vertritt, die der Arbeitslosen. Schließlich noch Robert Passard "elle veur de chevaux", der jetzt endlich Gelegenheit hat, im Rennen festzustellen, wie man sich als Betroffener fühlt. Er ist Pferdezüchter und obendrein Erfinder einer radikalen Idee: "Raus mit den Autos aus der Stadt!" (Pferde rein ...)

Vorläufig: bleibt es bei den seit langem genannten Teilnehmern des Rennens von Mitterrand bis Marchais, von Chirac bis Debré. Hinzu kommen dann, wie gesagt, die erwähnten Kandidaten aus der Rubrik: "Es laufen ferner", man kann auch sagen "... unbeachtet".