Fußballbundestrainer Derwall unter dem Zwang zum Erfolg

Von Gerhard Seehase

Nicht, daß aus der rheinischen Frohnatur nun plötzlich ein Grübler geworden wäre, aber die Geschichte der beiden ersten Niederlagen hat ihn vorsichtiger gemacht gegenüber den deutschen Fußball-Fans. Bundestrainer Jupp Derwall übt sich in Selbstkritik.

Nach 23 Spielen, in denen die deutsche Nationalmannschaft unter seiner Regie unbesiegt geblieben war, hätte er "von den Journalisten doch ein bißchen mehr Partnerschaft erwartet". – "Das war eigentlich meine größte Enttäuschung nach der sogenannte Pleite von Uruguay", sagt er, "als sich die Partnerschaft als verlogene Sache herausstellte."

Auf dem Weg bis zum 24. Spiel hatten ihm die deutschen Sportjournalisten immer größere Lorbeerkränze gewunden; und dann kamen die beiden Niederlagen im Fußballturnier von Uruguay (1:2 gegen Argentinien, 1:4 gegen Brasilien).

"Plötzlich", sagt er, "war offensichtlich alles vergessen, was vorher war." – Vergessen die 23 Spiele ohne Niederlage, der Gewinn der Europameisterschaft und vor allem die Tatsache, daß der Kumpeltyp Jupp Derwall auch mit seinen Berufskritikern, den Journalisten, im – überwiegend – besten Einvernehmen lebte.

Viele Besserwisser gegen sich