"Der Smaragd", von Gustav Hillard. Jedes Hamburger Schulkind weiß, falls es etwas weiß, daß im Jahr 1912 die Leiche des dänischen Königs Friedrich VIII. in einer hochnotpeinlichen Nacht- und Nebelaktion von Hamburg nach Kopenhagen überführt werden mußte: Der Monarch war während einer nächtlichen Exkursion in St. Pauli verstorben, ein schöner Tod, so darf man hoffen. Diese etwas schwankhafte Realität hat Gustav Hillard, ein Freund von Hugo von Hofmannsthal und entfernter Wahlverwandter von Thomas Mann (in Lübeck aufgewachsen und dort 1972 im Alter von 91 Jahren gestorben), ein Berufsoffizier, der erst spät zum Schreiben fand, in eine zarte, schöne Erzählung verwandelt. Darin trifft der herzkranke und sich selber in der Monarchenrolle beobachtende König und unerfüllte Mensch auf der Rückreise von der Kur im Hamburger Freudenhaus, in das er beim nächtlichen Incognito-Gang in der heißen Sommernacht gerät, auf ein Mädchen, das seinen Schicksalsstein, den grünen Smaragd, am Finger trägt. Die Erzählung, die mehr ist als die Summe ihres Inhaltes, wird von kleinen, eingestreuten Zeichnungen von Wilhelm M. Busch auf eigenständige und doch zurückhaltende Weise komplettiert. (Christians Verlag, Hamburg, 1981; 131 S., Abb., 19,80 DM.) Petra Kipphoff