Wenn mit Sicherung von Arbeitsplätzen argumentiert wird

Von Justin Westhoff

Wer dem Bürger die heile Welt vormacht, darf sich nicht wundern, wenn bei jedem Vorkommnis auch gleich eine Welt zusammenbricht. Risikobewußtsein und Risikobereitschaft setzen Information und Offenheit voraus." Diese Weisheit schrieb der Präsident des Bundesgesundheitsamtes, Professor Georges Fülgraff, Ende letzten Jahres, kurz bevor er als neuer Staatssekretär fürs Gesundheitsministerium seine Akten nach Bonn trug.

Die ebenfalls in Berlin ansässige Schwesterbehörde, das Umweltbundesamt (UBA), erweckte zeitweilig den Eindruck, als habe sie Schwierigkeiten mit dem Grundsatz, die Öffentlichkeit auf der Basis umfassender Aufklärung selbst darüber entscheiden zu lassen, ob sie eine Gefahr für Umwelt und Gesundheit in Kauf nehmen will. Inzwischen weiß man, daß die Heimlichtuer woanders zu suchen sind.

Ende November des vergangenen Jahres war durchgesickert, daß man im Umweltbundesamt einen Bericht erarbeitet hatte, der die vielfältigen Nebenwirkungen einer ebenso allgegenwärtigen Gruppe von silikatischen Mineralien auch für die Bundesregierung unübersehbar machte. Deren Name: Asbest, abgeleitet vom griechischen Wort "asbestos", was auf die seit Jahrtausenden bekannte Feuerfestigkeit des Stoffes hindeutet.

Asbest ist ferner hitze- und säurefest, beständig gegen Fäulnis und Korrosion, weist nur geringe elektrische Leitfähigkeit auf, ist von hoher Elastizität und Zugfestigkeit und eignet sich zur Wärmedämmung. Die Fasern sind überdies verspinnbar und lassen sich vielfältig be- und verarbeiten.

Kein Wunder, daß Asbest breite Anwendung findet, und das seit etwa hundert Jahren. Und weil dahinter eine florierende Industrie steht, waren die Reaktionen auf den noch nicht einmal veröffentlichten Behördenbericht entsprechend.