Alles dreht sich um Frankfurt und um Walter Wallmann – Was machen die Liberalen?

Von Horst Bieber

Frankfurt, im März

Gewählt wird zwar am kommenden Sonntag in ganz Hessen – fünf Großstädte, 278 Gemeinden und 21 Landkreise bestimmen ihre Rats- und Parlamentsvertreter –, aber der allgemeine Trend, Kommunalwahlen als Stimmungsbarometer für die Bundespolitik und Vorentscheidungen für Landeskoalitionen zu mißbrauchen, hat Hessen auf merkwürdige Art auf einen Ort schrumpfen lassen: Was geschieht in Frankfurt? Die größte Stadt, von manchen Politikern mit eilfertigem Zungenschlag auch schon einmal kurz "die Hauptstadt" genannt, zieht das allgemeine Interesse auf sich. Dort stellen sich die Fragen, die bundesweite Aufmerksamkeit provozieren: Kann Walter Wallmann, CDU-Oberbürgermeister seit knapp vier Jahren, das Wunder von 1977 wiederholen und seiner Partei die absolute Mehrheit erhalten? Und wenn seine Partei in der Rhein-Main-Metropole das Ziel verfehlt – kann er die FDP zu einer Koalition bewegen? Wie schlägt sich die SPD, der die Wähler 1977 einen verheerenden Denkzettel für Filzokratie, Arroganz, Helaba-Skandal und interne Querelen verpaßten, so daß sie landesweit von 49,5 auf 42,1 Prozent abrutschte?

Wie üblich sind alle Parteien siegesgewiß und darin einig, daß Prognosen "unmöglich" gestellt werden könnten, so daß sich schon aus diesem Grunde dick aufgetragener Optimismus verbiete. Holger Börner, SPD-Ministerpräsident in Wiesbaden, hält sich zugute, das Ansehen seiner SPDFDP-Koalition gehoben zu haben, befürchtet aber Rückwirkungen von der "allgemeinen Großwetterlage" in Bonn und äußert gelegentlich Unmut über seine Partei, die sich entscheiden müsse, "ob sie mit mir weitermachen will".

Prüfung für die CDU

CDU-Landesvorsitzender Alfred Dregger ist zuversichtlich, "daß wir unsere Positionen am 22. März halten können", unbeschadet der eingestandenen Tatsache, daß die Unionspolitiker "vor Ort unterschiedlich gut waren und hier und da Lehrgeld zahlen mußten".