Aber sie wissen auch, daß diese Kinder schwer verhaltensgestört sind; aus einer früheren Pflegestelle wurden sie nach zwei Tagen zurückgebracht, weil die Pflegemutter nicht mit ihnen zurechtkam. Nach dem Grundsatz: Nur ja nicht ins Heim mit den Kindern, verschweigt das Jugendamt den neuen Pflegeeltern, wie schwierig die Kinder tatsächlich sind. Die Geschwister seien "lebhaft", heißt es lediglich. Die neuen Pflegeeltern wollen eigentlich nur ein Kind; doch die Beamten drängen sie, beide Kinder zu nehmen: Es sei besser, sie nicht zu trennen.

Schon nach kurzer Zeit wendet sich Margit Zickwolf hilfesuchend an die Mitarbeiter des Jugendamtes, weil Sandra Angstzustände hat und eine Puppe mit den Worten "Mama ist böse" verbrennen will, weil Torsten seine Schwester schlägt und tritt, weil beide Kinder nachts ausreißen.

Margit Zickwolf bittet immer wieder darum, die Kinder zu trennen, sie schlägt eine psychologische Behandlung vor.

Frau Zickwolf wendet sich immer wieder an das Jugendamt. Einmal teilt sie per Telephon mit, Sandra sei in den Fischteich gefallen; ein anderes Mal, Torsten habe seine Schwester in die Regentonne gestoßen.

Das Jugendamt schickt seine Außenbeamten; drei verschiedene Sozialarbeiter bei vier Besuchen in zwei Monaten. Bei einem Besuch Anfang Oktober 1978 zeigt Frau Zickwolf Sandras Kopfwunde. Als Ursache nennt sie ein heißes Ofenrohr, gegen das Sandra nachts gelaufen sei.

Die Sozialarbeiter schöpfen keinen Verdacht, sie kontrollieren nicht weiter, ziehen die Kinder nicht aus. "Das Vertrauensverhältnis zwischen Behörde und Pflegeeltern muß sich am Anfang doch erst bilden", sagt Kreisverwaltungsdirektor Schroer, "wenn wir kein Vertrauen in die Pflegeeltern haben, finden wir keine." Der gute Grundsatz hat hier Fürchterliches geschehen lassen.

Immerhin fragt der Kreisverwaltungsdirektor sich, ob seine Beamten etwas anderes hätten tun können; eine Antwort aber hat er nicht gefunden, geschweige denn Versäumnisse in seinem Amt festgestellt. Und die Beurteilung der Jugendschutzkammer, "daß den Angeklagten seitens des Jugendamtes eine wirksame Unterstützung und Hilfe wohl nicht gewährt worden ist", findet er ungerecht. So läuft denn auch aus seiner Sicht alles auf den schlimmen Spruch eines Beamten der Aufsichtsbehörde hinaus: "Sie wissen ja, Kinder können einen ganz schön nerven."

Dörte v. Westernhagen