Schon Mitte der fünfziger Jahre haben Fachleute davor gewarnt, daß das System einer bruttolohnbezogenen Rente – die Alterseinkünfte wachsen in einem zeitlichen Abstand wie die Bruttolöhne – auf die Dauer nicht finanzierbar sein werde. Das Hauptargument war damals, daß dieses Systeme inflationär wirken werde. Später ist ein weiteres Hindernis hinzugekommen: Das Zahlenverhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentnern verschlechtert sich dramatisch. Doch die großen Parteien ficht das nicht an: Sie debattieren über weitere "Verbesserungen" der Bruttorente, als sei nichts geschehen.

Zwei Autoren indes sind nun aus dieser Front ausgebrochen: der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf als Vorwortschreiber und sein enger Mitarbeiter Meinhard Miegel als offizieller Alleinverfasser eines Buches über "Sicherheit im Alter" (Verlag Bonn aktuell, Stuttgart, 1981). Ihre Forderung: Allmähliche, aber doch rasch beginnende Abkehr von der Bruttorente. Künftig solle der Staat – in Anlehnung an die gegenwärtige Sozialhilfe – eine Grundrente garantieren, die der einzelne teils in staatlicher Organisation und teils privat, jedenfalls aber leistungsbezogen, aufstockt.

Dieser Vorschlag ist von der gleichen intellektuellen Radikalität wie frühere Empfehlungen des Gespanns Biedenkopf/Miegel etwa zur Wohnungspolitik. Das macht seine Lektüre zum aufregenden Erlebnis. Doch vielleicht mindert es seine politischen Chancen. Denn nichts ist alten politischen Fuhrleuten so suspekt wie die Abkehr von ausgetretenen Pfaden. pl