ARD, Montag, 23. März, 21.15 Uhr: "Wo das Glück verordnet wird. Schweden: ein Modell, das kein Vorbild ist", Bericht von Christian Herrendörfer

Ein Ratespiel. Das höchste Gericht eines Landes stellt fest: "Selbst wenn dieses Land sich einer internationalen Konvention angeschlossen hat, so giltdies nicht direkt für die innerstaatliche Rechtsprechung." Wie heiße dieses Land?

Zugegeben, das Spiel hat den intellektuellen Gehalt eines Waschmittelpreisausschreibens ohne Preis, steht doch die Lösung schon im Vorspann, hier wie da. Nur: Das Ausmaß der Überraschung ist dann doch ein wenig größer. Der Umstand, daß die unbändige Aprilfrische wieder einmal zugeschlagen hat, vermag nicht mehr zu erschüttern. Daß aber Schwedens Oberrichter derlei in Sachen Menschenrechte von sich geben...

Vorgehalten wird diese Einsicht Schweden, die, ohne daß ihnen genau mitgeteilt werden müßte warum, "aus Sicherheitsgründen" ihren Beruf nicht mehr ausüben dürfen. War nicht bis heute die Assoziation zum Begriffspaar Schweden-Berufsverbot: der Aufschrei der Nachbarn gegen deutsche Praktiken?

Christian Herrendörfer hat sich an Schweden satt gesehen. So satt, daß er nun richtig satt ist. Und man weiß ja, was das für den weiteren Appetit bedeutet.

Also hat er eine Polemik verfertigt, die, wie sich das gehört, einseitig ist. Die, wie sich das auch gehört, wohl begründet ist. Und die böse – weil oft schön – ins Bild gesetzt ist; das gilt selbst dort, wo die Kamera den Taumel und schließlich den Sturz eines Betrunkenen, sein käferhaft-hilfloses Gezappel in der Rückenlage begleitet oder jenen irrsinnigen Autokorso, den Jugendliche Stunden um Stunden durch ihre Kleinstadt drehen – was sonst sollten sie anfangen mit sich, in dieser Stadt?

Herrendörfers Film schildert gnadenlos eine Perversion: die Dominanz des Glücks über den Menschen sowie die Formen der Bestrafung dessen, der sich dieser von Staat und Kirche in unheiliger Allianz formulierten Enzyklika widersetzt.