In der kommenden Woche eröffnet die Commerzbank den diesjährigen Bilanzreigen der Großbanken. Große Überraschungen wird es nicht mehr geben. In den Ende des Jahres bzw. im Januar stattgefundenen Pressekonferenzen haben die Vorstände bereits durchblicken lassen, was die Aktionäre zu erwarten haben.

Die Blicke der Börsianer richten sich auf das Jahr 1981. Einig ist man sich darüber, daß es wieder ein schwieriges Bankenjahr werden wird. Dafür sorgen sowohl die Hochzinspolitik der Bundesbank als auch die daraus resultierenden Risiken im Kreditgeschäft. Nicht nur die Kreditinstitute stellen sich auf eine neue Pleitewelle ein.

Wegen der wachsenden Risiken empfehlen einige Anlageberater bei Neuanlagen nur die Aktien ertragstarker Institute. Dazu werden die Deutsche Bank, die Bayerische Vereinsbank und auch die BHF-Bank gerechnet. In diese Spitzengruppe gehört ferner die Vereins- und Westbank in Hamburg, die 1980 nicht nur eine unveränderte Dividende von neun Mark zahlte sondern zusätzlich einen Jubiläumsbonus von einer Mark.

Der Markt der Vereins- und Westbank-Aktien wird vom Vorstand streng kontrolliert. Er verhindert auf diese Weise unerwünschte Paketbildungen. Größere Kursschwankungen sind deshalb bei diesen Papieren nicht zu erwarten. Deshalb scheiden sie für den "beweglichen" Aktiensparer von vornherein aus.

Von der Ertragslage her betrachtet würde die Deutsche Bank ohne weiteres in der Lage sein, ihre Ausschüttung für 1980 von neun auf zehn Mark zu erhöhen und damit auf jenen Satz zurückzukehren, der vor der Körperschaftsteuerreform Tradition war. Die Deutsche Bank dürfte mit 1980 das beste Geschäftsjahr ihrer Geschichte hinter sich gebracht haben. Ihr Börsenkurs weist in den letzten Wochen ein erstaunliches Maß an Stabilität auf, nicht zuletzt die Folge von Kaufaufträgen aus dem Ausland. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß sich die holländische Anlagegesellschaft Robeco im vergangenen Jahr von einem Teil ihrer Deutsche-Bank-Aktien getrennt hat, wahrscheinlich wohl deshalb, weil dies noch zu einigermaßen erträglichen Kursen möglich war.

Bei der Commerzbank und der Dresdner Bank zeichneten sich schon in der zweiten Jahreshälfte 1980 Schwächeerscheinungen ab. Bei beiden Instituten ließen sich die Fehler in der vorangegangenen Geschäftspolitik nicht mehr länger verheimlichen. Die Hauptverlustquelle war bei ihnen dadurch entstanden, daß langfristig ausgeliehene Mittel nicht laufzeitenkongruent refinanziert worden waren. Die Fehleinschätzung der Zinsentwicklung hatte die Commerzbank bereits 1979 gezwungen, zur Aufbesserung der Ertragslage den Buchwert ihrer inzwischen endgültig plazierten Schachtelbeteiligung an der Hochtief AG hochzuschreiben. Für 1980 haben die Aktionäre keine Dividende erwartet. Sie hätte aus der Substanz gezahlt werden müssen. Ohnehin war zum Verlustausgleich der Verkauf der Beteiligung an der Kaufhof AG notwendig.

Der Kurs der Commerzbank-Aktie sackte in diesem Jahr bis 127 Mark ab, und bewegt sich jetzt etwas über 130 Mark. Da für 1981 die Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen angestrebt wird, sehen etliche Börsianer in der Commerzbank-Aktie ein interessantes Kurssteigerungspotential. Tatsächlich haben sich etliche Leute auf Basis des gegenwärtigen Kurses reichlich mit Commerzbank-Aktien eingedeckt und warten nun auf positive Nachrichten und auf Interessenten, die ihnen ihre Papiere zu höheren Kursen wieder abnehmen. Nicht zuletzt deshalb wird das Ergebnis der bevorstehenden Bilanzpressekonferenz mit Spannung erwartet.