Hamburg

Selbst die Schilder, die das Betreten des Grundstücks verbieten, wirken altersschwach. Die Fenster zur Straßenseite sind holzvernagelt, in den oberen Stockwerken flattern Plastikfolien wie schmutzige Fahnen. Und auf der Rückseite der Häuser mit Blick zur Elbe sind die Terrassenfenster mit grauen Mauersteinen verbarrikadiert.

Vier der schönsten Häuser in Hamburg-Altona, die sogenannten "Offiziershäuser" an der Palmaille, sind seit über zehn Jahren unbewohnt – wenn man einmal von den "Pennern" absieht, die in diesen Gebäuden nächtigen. Seit 1972 haben diese vier Häuser an der Palmaille Nr. 73 bis 79, das amtliche Signum der Unbewohnbarkeit erhalten. Aber man versucht, sie zu erhalten.

Der Leiter des Altonaer Liegenschaftsamtes, Walter Wassermann, ist mißtrauisch, als sich der Journalist im Altonaer Rathaus einstellt, um sich über die vier leerstehenden Häuser schräg gegenüber zu informieren. "Wir haben so viele Anrufe", sagt er, "bei denen wir uns nicht über die Hintergründe im klaren sind." – Er läßt sich überzeugen, daß in diesem Fall nicht an eine Hausbesetzung gedacht ist.

In den beiden letzten Kriegsjahren 1944/45 boten die vier Häuser an der Palmaille Unterkunft für Ausgebombte, danach für Flüchtlinge. Die großen Räume wurden unterteilt in Wohnungen, in denen sich die Menschen auf engstem Raum drängten. Die Häuser verbrauchten sich wie ein alter Hut, der sich langsam aber sicher von innen nach außen auflöst. Die Stadt hatte kein Geld zur Renovierung, man ging auf die Suche nach einem potenten Käufer.

Die Reederei Hamburg-Süd (Firmenchef Oetker) zeigte Interesse; aber Oetker sprang ab. Wichtiger als die vier "Offiziershäuser" war ihm eine Baulücke daneben, in der einst ein Backsteinbau aus dem Jahre 1888 gestanden hatte.

Oetker wollte in diese Lücke ein Hochhaus stellen, die Stadtvertretung sagte "Nein"; der damalige Hamburger Bürgermeister Peter Schulz forderte: Die vier Häuser an der Palmaille müssen erhalten und die Baulücke mit maßstabsgerechten Häusern aufgefüllt werden.