West-Anleihe Ungarns für Polen?

Ungarn will nach Berichten aus Pariser Banckreisen am Euromarkt einen Kredit über 500 Millionen Dollar mit sieben Jahren Laufzeit aufnehmen. Dieser plötzliche Geldbedarf in Budapest kommt für die Fachleute überraschend. Denn noch vor zwei Wochen waren europäische Bankiers von ungarischer Seite informiert worden, daß Budapest frühestens Mitte des Jahres an den Euromarkt gehen werde. Nach Ansicht dieser Experten ist der Kapitalbedarf des Landes in der Tat nicht drückend. Sie schließen daher nicht aus, daß Ungarn als kreditwürdigstes Land des Ostblocks die Anleihen für Polen aufnimmt. Zwar rechnen die Experten nicht damit, daß Budapest bei einer erfolgreichen Anleihe das Geld direkt an Warschau weitergeben wird, aber sie halten einen Finanztransfer über die Kanäle des östlichen Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (Comecon) für möglich.

Und wer steht hinter Gott?

Den Polen vergeht trotz aller Krisen das Lachen nicht. Das neueste Wortspiel aus Warschau: Wer steht hinter der Solidarność? – Hinter der Solidarnosc steht Walesa. – Wer steht hinter Walesa? – Hinter Walesa steht der Papst. – Wer steht hinterm Papst? – Hinterm Papst steht Gott. – Und wer steht hinter Gott (polnisch: Bog, ausgesprochen: Bug – wie der Grenzfluß zwischen Polen und der Sowjetunion)? – Hinterm Bug – da stehen die Divisionen.

Kein König

Nun wissen es alle: Prinz Claus der Niederlande, Gemahl der Königin Beatrix, ist kein "Linker". Bei einem Essen der Auslandspresse gab Prinz Claus ein Bekenntnis über seinen politischen Standort ab, das einschlägige Vermutungen ein für allemal beseitigen soll. "Ich weiß wirklich nicht, was ich bin. Das hängt doch sehr von dem jeweiligen Problem ab. Jedenfalls bin ich in dieser Hinsicht keine homogene Persönlichkeit." Im Verlauf seiner Ausführungen nahm der Prinz auch zu seinem persönlichen Status Stellung und wies auf einen diskriminierenden Zustand hin. "Als meine Frau Königin wurde, wurde ich automatisch Prinz-Gemahl. Im Gegensatz dazu wird aber die Frau eines Königs in einem solchen Fall Königin." Ist Prinz Claus mit seiner Rolle unzufrieden? "Kommen Sie mir nicht auf falsche Gedanken", warnte er, "sonst gibt es Schlagzeilen wie diese: "Claus: Diskriminierung – warum bin ich kein König?"

Vogel falsch zitiert

Im ZEIT-Interview mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Hans-Jochen Vogel, hat sich ein sinnentstellender Fehler eingeschlichen. Der erste Punkt seiner Antwort heißt richtig: "Jedermann ist verpflichtet, richterliche Urteile zu respektieren, nicht aber für richtig zu halten" (statt: "und für richtig zu halten").