Auch die Wirtschaft In der Alpenrepublik leidet gegenwärtig unter der Last hoher Zinsen

Der Traum der Österreicher, auf einer wirtschaftlichen Insel der Seligen zu leben, ist ausgeträumt. Fast jede Woche gibt es eine spektakuläre Firmenpleite, unter den Gescheiterten sind renommierte Namen. Nach der Skifirma Kneissl hat es den Kärntner Holzplattenerzeuger Funder erwischt. Rund 1300 Beschäftigte zittern, daß es gelingen möge, den Konkurs des Unternehmens doch noch abzuwenden.

Für die Skischuhfirma "Kastinger" kam dieser Tage das "Aus", und Österreichs Stahlriese, die verstaatlichten "Vereinigten Edelstahlwerke", ist gleichfalls vom Sturz bedroht. Es gibt dort 4000 Beschäftigte zu viel.

Österreichs Notenbankchef Stephan Koren, in seiner Zeit als führender Wirtschaftspolitiker der oppositionellen ÖVP als "Kassandra" berühmt, kann das freilich nicht erschüttern: "Wir erleben die dritte Wachstumsschwäche innerhalb von sechs Jahren, das ist ähnlich wie mit dem ersten Herzinfarkt, dem zweiten und dem dritten: Die Schwächen kommen heraus. Wir haben das Problem der Anpassung aus hohen Wachstumsraten an niedrige. Die Phasen, in denen dieses Ziel erreicht werden kann, bedeuten Troubles."

Korens Gelassenheit ist allerdings auch ein Akt der Selbstverteidigung. Denn die Unternehmer machen die von der Notenbank betriebene Politik der hohen Zinsen mitverantwortlich für die Misere. Österreich folgt darin mit nur geringem Abstand den Bewegungen in der Bundesrepublik.

Der in die Wirtschaft heimgekehrte Obmann der ÖVP, Josef Taus, beklagte das vor kurzem so: "Jetzt erleben wir das Dilemma der Hochzinspolitik im Zusammenhang mit einer Wirtschaft, die kein Eigenkapital hat." Die Unternehmen könnten oft nicht einmal mehr die Zinslast verdienen, geschweige denn Erträge erwirtschaften. Taus fordert deshalb; eine Änderung der Zinspolitik. Es sei besser, "ein bißchen Währungsrisiko einzugehen, als die Zinsen voll durchschlagen zu lassen".

Mit diesem Vorschlag blitzte er bei Notenbankpräsident Koren aber ab. Koren: "Das ist nicht exekutierbar." Im Frühjahr 1979 habe die österreichische Notenbank einmal bewußt den Versuch gemacht, sich vom internationalen Zinsniveau abzukoppeln, binnen weniger Monate sei damals ein Drittel der Währungsreserven verlorengegangen. Koren: "Wir haben das keine sechs Monate lang ausgehalten. Auch – die große deutsche Bundesbank hält die Situation nicht aus, das hat sie dreißig Prozent Abwertung gekostet. Wenn heute jemand versuchen. mochte, sich international abzukoppeln, – viel Glück."