Die ersten, die etwas merkten, waren die Drucker, die zweiten die Kollegen von den Nachrichtenagenturen, Zeitungen, Sendern, die dritten (aber sie waren nur so viel langsamer, wie die Anlieferung der Zeitung an die ersten Großstadtkioske dauerte) waren die Leser. Das ging alles ungeheuer schnell. Und die, die die Folgen dieser Entdeckung am schnellsten und intensivsten zu spüren bekamen, waren die Damen in der Telephonzentrale. Fragen, Flüche, Glückwünsche (die Reihenfolge ist ein Hinweis auf die Häufigkeit) kamen zwei Tage lang gewitterartig bei ihnen an.

Die Drucker in Ahrensburg und Neu-Isenburg riefen am Mittwoch gegen zwei Uhr morgens den Verlagsleiter an. Der versuchte vergeblich, ein paar Leute aus dem Schlaf zu telephonieren, und erreichte schließlich einen müden politischen Redakteur, der ihm, ohne Freude, bestätigte: Ja, ja, das soll so sein.

Die Dame von dpa rief gleich am Morgen an und war neugierig. Die Zeitungskollegen riefen etwas später an und waren mitleidig bis schadenfroh: Ogottogott, was habt ihr denn da für einen Mist gebaut. Schön, daß auch euch solche Pannen passieren!

Die Leute von AP sagten: Herzlichen Glückwunsch, eine fabelhafte Idee. Herr Blackstein vom Reuter-Büro Hamburg telexte: "Und ich dachte schon, mit dem Whisky wäre was nicht in Ordnung, den ich immer zum ersten Durchblättern der neuen ZEIT-Ausgabe trinke." Cheers!

Der erste geschwollen-entrüstete Anruf kam von der Pressestelle der Universität Hamburg: Man ließ wissen, daß man erbost und für solche Bilder nicht sein Geld zu entrichten bereit sei. Wir dürfen erwidern: Es lebe die Universität und ihre Bemühung um eine aufgeschlossene, phantasievolle akademische Jugend.

Und da wir schon bei den ganz einfach Empörten sind, die freilich in der Minderzahl waren, seien hier ihre Hauptvorwürfe zitiert: 1. Was sind das für abstoßende, makabre Photos (damit war wohl in erster Linie der mit der Autopsie beschäftigte Mann gemeint – auffallenderweise gelangten gerade die Entrüsteten gar nicht über dieses Photo hinaus); und 2. Es ist nicht seriös, Leser in die Irre zu führen, und das kann man auch durch keine Erklärung oder Entschuldigung wiedergutmachen; 2 a und eine Etage tiefer: Sie wollen uns wohl "verarschen".

Was eigentlich heißt und meint, "seriös"? Für manche Leute offensichtlich so etwas wie "bierernst". Daß "seriös" ein Synonym für "ernsthaft" ist und daß auch ein Scherz einen ernsthaften Hintergrund haben kann, ist keine weitverbreitete Erkenntnis.