Der fast halbstündige "Countdown" vor dem Beginn der Satellitenübertragung mochte bei einem unbedarften Zuschauer die Erwartung auf den Anblick einer zum Mars startenden Rakete, einer Olympia-Eröffnung oder irgendeines anderen "historischen" Ereignisses erwecken. Statt dessen wurde bei "Zero" ein überdimensioniertes Elektrogerät ins Fernsehbild gerückt – dem Aussehen nach eine Mischung aus Radio und Heizlüfter – auf dem eine Truppe kurzberockter Damen zu tanzen begannen. Ihre Beine in die Luft werfend sangen die "Girls" in einschmeichelnder Melodie: "Wie wunderbar, nun gibt es Selecta-Vision. Das Schlangestehn vorm Kino hat ein Ende."

Zeuge dieser TV-Show aus dem großen Sendesaal der Fernsehkette NBC im New Yorker Rockefeller Center war ein exklusives Publikum: 5000 Elektrohändler, die der Chef des RCA-Konzerns Edgar H. Griffith in 75 Städten Amerikas hatte zusammentrommeln lassen, um sie per Sonderübertragung über Satellit für den bevorstehenden großen "Marketing-Blitz" zu motivieren und ihnen "Good selling, good luck and good profit" zu wünschen.

All diese guten Wünsche knüpfen sich an ein Gerät, dessen Öffnung eine Platte aufnimmt, welche auf dem angeschlossenen Fernseher bis zu zwei Stunden lang für Bild und Ton sorgt:

Marlon Brando in "The godfather", John Travolta in "Saturday Night Fever" – was ihr wollt aus Hollywoods Traumfabrik.

Um diesen neuen Bildplattenspieler und die dazu passenden Video-Platten zu entwickeln und den erforderlichen Produktionsapparat aufzubauen, hat der RCA-Konzern rund 200 Millionen Dollar ausgegeben. Zusätzlich zwanzig Millionen Dollar wird die seit Mitte dieses Monats laufende Werbekampagne kosten, die den offiziellen Verkaufsstart diese Woche in den gesamten USA unterstützen soll.

Die RCA-Führung gibt sich ganz sicher, daß sie das viele Geld gut angelegt hat: "Dies ist das wichtigste Produkt der Unterhaltungs-Elektronik seit der Einführung des Farbfernsehers", erklärte Vorstandsmitglied Herbert – S. Schlosser. RCA rechnet schon in diesem . Jahr mit einem Absatz, von 200 000 Geräten und zwei Millionen Bildplatten. "Wir alle können erwarten, reichlich belohnt zu werden", versprach der im Sommer ausscheidende RCA-Chef Griffith den erfreuten Elektrohändlern.

Nicht alle Industriebeobachter teilen diesen Optimismus. Denn die Konsumenten Amerikas haben mittlerweile eine große Auswahl an elektronischen "Freizeit-Tötern". Es gibt kommerzielles und öffentliches Fernsehen auf 13 Kanälen, dazu eine wachsende Anzahl von Kabelfernseh-Stationen, computerisierte Spiele und schließlich neben den Video-Platten auch noch Video-Kassetten. Im vergangenen Jahr sind die Videobandgeräte in den USA zum Verkaufsschlager geworden. Verkauft wurden fast 800 000 dieser Geräte, mit denen man bespielte Videobänder anschauen, Fernsehfilme aufnehmen und wiedergeben und mit Hilfe einer Kamera auch eigene Video-Filme produzieren, und abspielen lassen kann.