Die Kritiker des TÜY-Monopols fordern Konkurrenz

Von Wolfgang Hoffmann

Sicherheitstechnik und Wettbewerb sind wenig verträgliche Begriffe" lautet die Devise von Werner E. Hoffmann, Geschäftsführer der Vereinigung der Technischen Überwachungsvereine e. V. (VdTÜV) in Essen. Nicht von ungefähr: gäbe es im Bereich der Sicherheitstechnik nämlich Wettbewerb, dann wäre damit ein Tabu durchbrochen, das Tradition hat: die Allmacht des TÜV.

Damit könnte es nun bald vorbei sein. Private Sachverständige drängen zunehmend darauf, dem mächtigen Technischen Überwachungsvereinen, die Flügel zu stutzen. Vor kurzem gründeten freie Sicherheitstechniker eine Gesellschaft für Technische Überwachung, die nun ihre amtliche Zulassung erstreiten will. In Hamburg bemüht sich ein "Druckkessel Überwachungsverein (DÜV)" ebenfalls schon seit längerem mit allen rechtlichen Mitteln, in Domänen einzubrechen, die bislang dem TÜV vorbehalten sind.

Den Goliath in die Knie zu zwingen, wird jedoch nicht einfach sein. Denn die TÜVs – elf an der Zahl im ganzen Bundesgebiet – sind längst nicht mehr, was sich hinter der biederen Bezeichnung "Verein" vermuten läßt, sondern eine Art Staat im Staat. Für unzählige Fragen der Sicherheit im technischen Alltag haben sich die TÜVs in zäher Jahrhundertarbeit ein Quasi-Monopol aufgebaut, vergleichbar nur noch dem Fernmeldemonopol der Deutschen Bundespost. Selbst die Mitarbeiter der TÜVs werden bestallt und besoldet wie Beamte beim Staat.

Entstanden ist der TÜV buchstäblich aus Ruinen: In einer Zeit, in der es – Folge der zahlreichen Defekte in den vor rund 100 Jahren sich mehr und mehr ausbreitenden Dampfkesseln der Industrie – noch häufig knallte. Zwar hatte die Industrie der Gründerjahre noch keine Not mit organisierten Gewerkschaften, geschweige denn mit Bürgerinitiativen, gleichwohl waren die Unternehmen bestrebt, die Risiken der neuen Technik’zu verringern. Schließlich kostete jeder explodierte Kessel Geld und schmälerte den Profit. So gründeten die Dampfkesselbetreiber "Dampfkessel-Überwachungsvereine" mit dem Ziel, die Zahl der Unfälle durch sicherheitstechnische Vorsorge drastisch zu reduzieren. Die Selbsthilfe-Vereine hatten durchschlagenden Erfolg.

Die Macht der TÜVs reicht weit