Von Klaus-Peter Schmid

Im Sitzungsprotokoll müßte an dieser Stelle eigentlich der Vermerk "stehende Ovation" auftauchen. Im Kongreßzentrum von Versailles hatte es ein paar Pfiffe für den Landwirtschaftsminister und seinen Staatssekretär gegeben. Doch als François Guillaume beim 35. Bundeskongreß des französischen Bauernverbandes seine Abschlußrede beendete, brandete Jubel auf. Kein Zweifel: Der Präsident hatte sein Gefolge fest im Griff.

Seit 1979 steht der 48 Jahre alte Guillaume an der Spitze der FNSEA (Föderation nationale des syndicats d’exploitants agricoles). Wer ihn im dunklen Anzug und mit dem klassischen Aktenköfferchen in der Hand vor sich stehen sieht, würde ihn eher für einen Industriemanager als für einen Bauern halten. Doch genau besehen ist der drahtige Mann mit den blauen Augen beides: Manager an der Spitze von 700 000 Landwirten und Bauer auf seinem Hof im lothringischen Ville-en-Vermois.

Am Wochenende mistet Guillaume nach wie vor den Stall seines 115 Hektar großen Anwesens aus oder schwingt sich auf den Traktor. Hier ist er geboren, hier findet er den Ausgleich zu seinem Funktionärsjob. Den Vater von vier Kindern, der in Nancy sein Abitur gemacht hat, zeichnet in der Tat eine bemerkenswerte Ausgeglichenheit aus. Er ist kein Schreihals, obwohl er deutlich seine Meinung sagt. Er weiß die Ansprüche seiner Basis durchzusetzen, obwohl er kein Scharfmacher ist. Seine Devise: "Bauern machen ihre Revolutionen gewöhnlich in der Stille."

Ein oft angeführter Beleg für den stillen, aber unübersehbaren Fortschritt in der Landwirtschaft: 1980 erzielte sie mit ihren Produkten einen Ausfuhrüberschuß von sechzehn Milliarden Francs, mehr als doppelt soviel wie 1979 und mehr denn je zuvor. Kein Wunder, daß Staatspräsident Giscard d’Estaing vom "grünen Öl" sprach, das es noch gezielter als bisher einzusetzen gelte. Kein Wunder auch, daß solche Erfolge den Bauern das Rückgrat stärken und ihrem Verbandspräsidenten ein beträchtliches politisches Gewicht geben.