Von Wolfram Siebeck

Die Frage, ob seine 200 und 300 PS starken Autos denn im Zeitalter der Energiekrise noch einen Sinn hätten, wird Burkard Bovensiepen so oft gestellt, daß er sie mit routinierter Gelassenheit beantwortet. Die Stärke eines Autos sei ja doch nur dann fragwürdig, wenn sie mit höherem Benzinverbrauch verbunden sei, oder? lautet seine Gegenfrage.

Und dann belehrt er den Skeptiker nicht ohne Stolz: "Unsere Autos verbrauchen deutlich weniger Benzin als vergleichbare Konfektionsautos!" Und vergißt nicht hinzuzufügen, daß man Konfektionsautos natürlich nicht mit seinen Autos vergleichen könne. Zwar sehen die BMW/Alpina, die in seinem Werk in Buchloe hergestellt werden, von außen fast aus wie normale BMW; was sich unter dem Blech verbirgt, ist jedoch Maßarbeit. Und entsprechend teuer: Zwischen 48 000 und 87 000 Mark kosten die drei Ausführungen, die man als Topmodell der jeweiligen BMW-Serie bezeichnen könnte, obwohl sie eben nicht von BMW entwickelt und verkauft werden.

Jahrelang möbelte die Firma Alpina/Bovensiepen Serienfahrzeuge auf, bis sie schneller waren oder wenigstens so aussahen; Tuning nennt das die Branche. Seit drei Jahren ist die Fabrik mit den 90 Angestellten als Automobilhersteller anerkannt. "Es geht uns nicht um bloße Schnelligkeit, Spezialfahrzeuge für den Rennsport bauen wir zwar auch. Die Alpina aber sind keine heißen Ofen, mit denen man röhrend um die Ecken donnert." Diese Vorstellung sei ihm "geradezu widerlich", gesteht der Firmenchef. "Wir bauen Autos für automobilistische Feinschmecker, die Spitzenqualität verlangen! Das schließt natürlich auch Schnelligkeit ein. Aber auch Sicherheit und – darauf legen wir wirklich großen Wert Sparsamkeit! Schließlich kann das Fahren selbst ja auch eine Qualität sein, und die ist in unseren Autos ebenfalls größer als in anderen Autos."

Daran läßt er nie einen Zweifel, daß er seine Alpina für die besten hält. "Sicher ist ein Ferrari oder ein Lamborghini ein schönes und gutes Auto. Aber wie eng! Wie wenig Platz fürs Gepäck! Und dann die Sicht- und Klimaverhältnisse..."

Die Ferrari-ähnlichen Preise zahlen Alpina-Kunden nicht nur für einen außergewöhnlich leistungsstarken Motor; auch vieles andere ist maßgeschneidert: Achsen, Federbeine, Hartig-Zündung, Bremsen, 5-Ganggetriebe, und was sonst noch exzeptionell sein muß, damit sich ein Auto aus der Masse heraushebt und, wenigstens für den Besitzer, zum Mythos wird. "Es kann sein, daß man das ein wenig billiger verkaufen könnte", gibt. Bovensiepen zu. "Ein Cartierfeuerzeug auch. Aber wir sind mindestens so exklusiv!"

Den Anfang der Exklusivität macht mit 200 PS aus einem 2,8 1 Sechszylindermotor der BMW/Alpina B 6 – 2,8. Bovensiepen nennt ihn "unseren Kleinwagen", obwohl der doch äußerlich ein Viersitzer, nämlich der BMW 328 ist und auch der Kofferraum durch den Zusatztank (Gesamtinhalt 100 1) kaum beeinträchtigt wird. Daß, wer von der aufwendigen Technik unter dem Blech nichts versteht, diese auch nicht spürt, ist der besondere Stolz des Firmenchefs. Beschleunigung von 0 bis 100 in 7,5 sec., Höchstgeschwindigkeit über 220 km/h. Gewiß, solche Leistung bleibt nicht verborgen, wenn man sie ausnützt. Aber die Alpina sollen vor allem problemlos und möglichst noch leichter zu fahren sein als andere Autos. Diesen Anspruch erfüllt der B 6 – 2,8 mühelos. Einzuwenden habe ich lediglich etwas gegen die eingebauten Recaro-Sitze, die für Autofans die gleiche Bedeutung haben wie der Lounch-Chair von Charles Eames für Architekten. Sie sind einfach zu hart. Es stimmt ja nicht, daß diese Härte notwendig ist, um lange Strecken ermüdungsfrei zu fahren; schließlich kriechen Citroen-Fahrer auch nicht. krumm und lahm aus ihren Limousinen.