Von Ulrich Goetz

Wieder einmal ist ein weitverbreitetes Genußmittel in gefährliche Nähe des gefürchteten Wörtchens Krebs geraten, Einer soeben veröffentlichten amerikanischen Studie zufolge scheinen Kaffeeliebhaber zwei- bis dreimal häufiger an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken, als Kaffeeverächter. Zumindest glaubt ein Forscherteam des Epidemiologischen Instituts der Harvard-Universität unter Leitung von Brian MacMahon einen statistischen Zusammenhang zwischen dem Auftreten dieser nahezu unheilbaren Krebsart und der Anzahl der pro Tag konsumierten Tassen Kaffee entdeckt zu haben.

Wenn die Schlußfolgerungen stimmen, die MacMahon und seine Kollegen aus ihren Untersuchungsresultaten gezogen haben, dann wäre der braune Absud allein in den Vereinigten Staaten für etwa 10 000 Krebstote pro Jahr (mit-)verantwortlich – mithin für die Hälfte aller dortigen Opfer des Bauchspeicheldrüsenkrebses (insgesamt verursachen Krebserkrankungen den Tod von jährlich rund 350 000 Amerikanern und etwa 150 000 Bürgern der Bundesrepublik).

Die fünfköpfige Medizinergruppe wollte herausfinden, durch welche Faktoren Bauchspeicheldrüsen(Pankreas)-Krebs verursacht wird. Diese Erkrankung fordert nach Lungen-, Darm- und Brustkrebs am meisten Opfer unter den Tumorpatienten; nur jeder hundertste Patient hat eine Überlebenschance von mehr als drei Jahren.

Die Forscher hegten von Anfang an den Verdacht, daß die Eß- und Trinkgewohnheiten etwas mit dem Auftreten dieser Krebsart zu tun haben könnten. Denn schließlich spielt die Bauchspeicheldrüse im Verdauungsprozeß eine wichtige Rolle. Unter anderem produziert sie auch das den Blutzuckerspiegel, regulierende Hormon Insulin.

MacMahons Mannschaft versuchte den Verdacht zu erhärten, indem sie 369 an Pankreaskrebs erkrankte Patienten in Boston und Umgebung peinlich genau nach ihren Eß-, Trink- und Rauchgewohnheiten befragte. Die Ergebnisse verglichen die forschenden Mediziner mit den Antworten von 644 Spitalpatienten, die wegen eines anderen Leidens eingeliefert worden waren, Zum Erstaunen der Wissenschaftler stellte sich heraus, daß die Menüpläne dieser beiden Gruppen sich in nichts unterschieden – außer beim Kaffeekonsum. Nur ganze fünf Prozent der Krebskranken erklärten, Kaffeeabstinenten zu sein, während in der Kontrollgruppe dreizehn Prozent das Getränk verschmähten,

Der Forschungsbericht im renommierten New England Journal of Medicine vom 12. März zeigt, daß viel Kaffee trinkende Konsumenten unter den Krebspatienten deutlich öfter anzutreffen sind als in der Kontrollgruppe. Statistische Berechnungen ergaben, daß der regelmäßige Genuß von zwei Tassen Kaffee pro Tag das Krebsrisiko möglicherweise um das l,8 fache erhöht, während mit einem dreifach höheren Krebsrisiko rechnen muß, wer die Tasse drei- oder mehrmals auffüllt.