Ich weiß nicht mehr genau, wo diese Geschichte anfängt. Meine Erzählung zumindest beginnt in den ersten Februartagen des Jahres 1981. In jener hektischen Zeit, da sich das Hausbesetzungskarussell immer schneller zu drehen beginnt, als pro Woche 20 und mehr Häuser besetzt werden, als die Presse nicht einmal mehr die Straßennamen der neu besetzten Häuser erwähnt, sondern nur noch zählt: 56, 57, 78, 85..., als Hausbesetzungen wie ein Flächenbrand um sich greifen, wie Politiker immer noch sichtlich ratlos und verstört feststellen.

Es ist aber auch die Zeit, da die Häuser langsam knapp werden, zumindest in den bevorzugten Bezirken. In Kreuzberg ist schon seit einiger Zeit kaum noch etwas geeignetes zu finden und auch im benachbarten Schöneberg, besonders rund um den Winterfeldplatz, werden die Häuser wie Freibier abgeräumt. Just zu dieser Zeit entschlossen auch wir uns, ein Haus zu besetzen.

Aus unserem ersten Objekt, einer alten Stadtvilla in der Möckernstraße 69 wehen zwei Tage vor dem vorgesehenen Besetzungstermin die mir bis dahin stets sympathischen Transparente und Fahnen der neuen Bewohner. Aus der Traum!

Wieder auf der Suche. Kaum dem Auto entstiegen, grüßen uns die Besetzer der Winterfeldstraße 38 aus ihrer "Neuen Heimat". Sie sehen uns, sie wissen, was wir suchen, wollen uns mit Ratschlägen helfen. Versehen mit ihren Tips schlendern wir – unauffällig – durch die Straßen, den Blick halbschräg nach oben gerichtet. Eine junge Frau lächelte mich an – oder nein, sie grinst nur wissend. Von der Winterfeld 20 und 22 hatten sie uns abgeraten, aber auch die 24 ist schon total zerstört.

Den Innenhof der 31 haben wir noch nicht betreten, da kommt uns eine Figur vom privaten Wachdienst entgegen. Uns dürfe er hier nicht reinlassen, meint er; unsere Argumente – wir sind derer fünf – überzeugen ihn schließlich doch vom Gegenteil. Aber in dem Haus wohnen noch zu viele Mieter.

Das Haus in der Frobenstraße 10 gefällt uns. "Na, dann besetzt mal schön", ruft uns ein Mann von der gegenüberliegenden Straßenseite zu. Während wir uns – am Bauzaun stehend – das Haus von hinten anschauen, raunen uns zwei Typen im Vorübergehen zu: "Nicht so auffällig, Jungs!" Inzwischen haben’s die besetzt.

Ihr heißester Tip war die Maaßenstraße 11. "Stereoanlage reinstellen, anschließen und sich wohl fühlen"; und der letzte verbliebene Mieter wünscht sich neue Mitbewohner. Aber diesen Tip haben nicht nur wir bekommen. Stunden später schon, am gleichen Abend noch, ist die Eingangstür verrammelt, hängt eine Klingel aus dem Fenster im ersten Stock.