/ Von Monika Putschögi-Wild

Die junge Dame war verwirrt Wo der hübsche See sei und wo der Friedhof, wollte sie vom Scheicher-Wirt wissen. Sie solle doch ein paar Kilometer weiterfahren, dann nämlich wäre sie in Hallstatt und nicht in Hallein und daselbst wären auch See samt Friedhof.

Wo denn die Kelten wären, fragte mit bebender Stimme der erboste ältere Herr den Direktor vom Verkehrsamt. Er solle doch ein paar Kilometer weiterfahren, dann nämlich wäre er in Hallein und nicht in Hallstatt und da wären dann auch die Kelten.

Die letztlich haben übrigens die Verwechslungen zwischen Hallein im Salzburger Land und Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut verschuldet. "Hai" nannten sie das Salz, und eben dieses haben beide Orte bis auf den heutigen Tag gemeinsam und im Überfluß. Mehr noch: Beide Orte können sich mit prominenten Altvorderen brüsten: Hallein mit eben jenen Kelten, Hallstatt mit den Herrschaften der älteren Eisenzeit, die, benannt nach dem niedlichen Ort, Hallstattzeit heißt. Und beide, Hallein und Hallstatt, haben Tourismus – und ihre Probleme damit. Hallein, weil es nicht soviel hat, wie es möchte, Hallstatt, weil es manchmal mehr hat, als ihm lieb ist.

Fangen wir mit Hallein und seinem Salz an, weil sein Dürrnberg, dort wo Salz und Kelten lagern, in nächster deutscher Nachbarschaft liegt, so nahe, daß es zur Grenze nach Bayern nur eine Wanderdistanz ist. Eine gemütliche Grenze, ohne viel Kontrollen, weil sie mitten durch ein so wunderschön grünhügeliges, bergumzacktes Spazierland läuft.

Dürrnberg heißt Halleins gesunder Ortsteil, ein ruhiger Kurort von steriler Artigkeit, wären da nicht diese absonderlichen Pilgerzüge. In schlottrig-weites Weiß vermummelt, überquert in Zehn-Minuten-Abständen eine 50-Personen-Raupe die Straße – die Salzbergwerksbesucher.

Wer in die Grube einfährt, sollte Gruppensinn haben und frei sein von Klaustrophobie. Auf einem Grubenwagen in enge Umarmung gequetscht, holpert die Salzsightseeing-Gruppe in die Saline. Das Tageslicht scheint nur noch als kleiner Punkt in dunkler Ferne, der Stollen scheint immer enger zu werden. Dann beginnt der lange Marsch durchs Bergwerk. Aufgefädelt wie auf einer unsichtbaren Schnur stolpern wir durch modrig-düstere Eisschrankkühle.