Wolfgang Benz (Hrsg.): "Rechtsradikalismus: Randerscheinung oder Renaissance?" Eine wahre Flut von Publikationen über den Rechtsextremismus überschwemmt den Büchermarkt. Die Autoren des Bandes, Mitarbeiter des Münchener Instituts für Zeitgeschichte und Publizisten, beantworten den Untertitel in dem Sinne, daß die rechte Variante des Extremismus auf dem Vormarsch sei. Ihre Arbeiten sind historisch fundiert, zuverlässig dokumentiert und sorgfältig recherchiert – im Gegensatz zu zahlreichen Ergüssen in dem Genre. Das Spektrum ist breit: Herausgeber Benz gibt einen zusammenfassenden Überblick über die in sich zersplitterten Organisationen mit ihrem kruden nationalsozialistischen, militaristischen und antisemitischen Ideologiegebräu. Die Publizistik des Rechtsextremismus findet ebenso Beachtung wie seine internationalen Verflechtungen. Und nicht nur die alte Rechte (NPD) wird analysiert, sondern auch die Militanz der Neonazis ("Wehrsportgruppe. Hoffmann"). Hervorgehoben werden soll besonders der Beitrag von Hermann Graml über jene "Geschichtsschreibung", die die Verbrechen des Nationalsozialismus schlichtweg bestreitet. Problematisch sind dagegen Claus Heinrich Meyers Ausführungen. So berechtigt es sein mag, die "Hitler-Welle" aufs Korn zu nehmen, so grotesk ist es, unter diese Kategorie etwa die Arbeiten von Albert Speer, die hier als "Rechtfertigungsliteratur" firmieren, oder die Hitler-Studie von Joachim Fest einzuordnen. Und ob die in diesem Buche anklingenden Rufe nach einem Verbot (beispielsweise von Zeitungen) für die Bekämpfung der Ursachen rechtsextremen Gedankenguts wirklich sinnvoll sind, mag füglich bezweifelt werden (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M. 1980, 283 S., 7,80 DM).

Eckhard Jesse