Von Wolfgang Hoffmann

Arbeitsminister Friedhelm Farthmann hat hochfliegende Pläne. Um die Bundesrepublik in einem Kraftakt von den teuren Rohölimporten abzukoppeln und dabei zugleich neue Arbeitsplätze zu schaffen, plädiert der nordrhein-westfälische Politiker Farthmann für den zügigen Ausbau der Fernwärme. Das Investitionsvolumen, das der Düsseldorfer Arbeitsminister im Auge hat, ist allerdings märchenhaft groß: Es liegt bei mindestens neunzig Milliarden Mark.

Angesichts der leeren Haushaltskassen bei Bund und Ländern wie der sinkenden Steuereinnahmen hat Farthmanns Investitionsprogramm jedoch kaum eine Chance, in die Tat umgesetzt zu werden. Was der Minister in einem fast fünfzig Seiten umfassenden Gedankenpapier zu einem beschäftigungsaktiven Energiesparkonzept zusammengetragen hat, bleibt überdies allzusehr im theoretischen Ansatz stecken.

Ganz anders liest sich hingegen, was Farthmanns Kabinettskollege Dieter Haak, Düsseldorfs Bundesratsminister in Bonn, zusammengetragen hat. Mit nur zehn Milliarden Mark staatlichen Fördermitteln will Haak ein Fernwärme-Crash-Programm auf die Beine stellen, das die Bundesrepublik nicht nur einen großen Schritt weg vom Öl bringen kann, sondern zugleich auch beschäftigungspolitische Effekte erreichen könnte, wie sie bislang noch von keinem Programm zur Arbeitsbeschaffung ausgelöst wurden.

Unstrittig ist unter beiden Konkurrenten aus Düsseldorf, dem nordrhein-westfälischen Wirtschaftsminister Jochimsen und den Bonner Regierungsparteien die Ansicht, daß die Fernwärme einen entscheidenden Beitrag zur Energieeinsparung leisten kann. Die Fakten: Die Wärmeversorgung in der Bundesrepublik hängt zu fünfzig Prozent vom Öl ab, das zu 95 Prozent importiert werden muß.

Diesem teuren Energieimport steht auf der anderen Seite eine gigantische Energieverschwendung gegenüber, weil vorhandene Abwärme der Industrie und der Kraftwerke nutzlos in die Atmosphäre verpufft. Farthmann kommt in seiner Studie zum Beispiel zu der Feststellung, "daß das verfügbare Abwärmepotential höher ist als der gesamte Energieverbrauch aller Haushalte und Kleinverbraucher in Nordrhein-Westfalen".

Da die Abwärmeschwerpunkte überwiegend in Ballungsgebieten liegen, ist gerade in diesen Gebieten der Ausbau eines Fernwärmenetzes attraktiv. Fernwärme ist überdies umweltfreundlich. Ein Gutachten des TÜV Rheinland ermittelte, daß die Schadstoffimmissionen in der Kölner Innenstadt nach dem Ausbau des Fernwärmenetzes bereits um sechs bis 27 Prozent zurückgegangen sind. Bei einem konsequenten Ausbau der Fernwärmenutzung lassen sich nach neueren Schätzungen der Fernwärmewirtschaft pro Jahr 20 bis 40 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten Primärenergie einsparen. Wo Fernwärme technisch genutzt wird – vorwiegend in dicht besiedelten Regionen – ist sie auch wirtschaftlich. Während die Ölzentralheizung pro Quadratmeter beheizte Wohnfläche zwischen 18 und 24 Mark im Jahr kostet, liegt der Preis der Fernwärmeheizung auf Kohlebasis zwischen acht und zwölf Mark.