Nostalgisches – reihenweise. Das typische "Präsentbuch" (gleich neben der Ladenkasse, knapp unter der magischen Zehn-Mark-Grenze) gibt es nun auch aus dem Meyster Verlag. Man soll es als Mitbringsel statt/mit und/oder Pralinen erstehen. "Meine einzige Herzensschnucke – Kosenamen für Verliebte, Freunde und Verwandte", gesammelt von Roswitha Karwath, enthält neckisch-erotische oder familiär-zärtliche Anreden aus den Briefen unserer Klassiker (von "Äffchen" über "Mausemops" bis "Zuckermaus"). "Das galante Wonnebüchlein – Eine Schule des Streicheins und Liebens" von Susanne März wird man besser seiner Flamme als seiner Erbtante schenken – wegen der vielen Zitate aus dem "Kamasutram". – Aber vielleicht ist Tantchen gerührt über "Die vollkommene Blumensprache", Volksgut, gefunden von Daniel Kleinworth. Hier geht es um sinnige Entschlüsselungen bedeutungsvoll komponierter Bouquets, mit denen man einst in Herzenssachen wortlos durch die Blume kommunizierte. – Ich würde bei Besuchen taktlos antanzen mit "Scheißmaschin – Von Geräten, Apparaten, Instrumenten und Institutionen, die uns das Leben erleichtern, indem sie es uns zur Hölle machen". Der Autor, Eugen Oker, rechnet hier mit dem gesamten Zivilisations-Schrott ab, der uns seit etwa 1900 über den Kopf wächst – Behörden und Computer inklusive. (Alle im Meyster Verlag, München, 1980; je 128 S., je 9,80 DM.) Hanns-Hermann Kersten

"Die Stellung Marieluise Fleißers in der bayerischen Literatur des 20. Jahrhunderts", von Günther Lutz. "Über Marieluise Fleißer wurde noch keine größere wissenschaftliche Untersuchung geschrieben. Während das Werk seit 1972 in drei Bänden gesammelt vorliegt, auch verschiedene Einzelausgaben vom Suhrkamp Verlag veröffentlicht wurden, die beiden Ingolstädter Stücke ... seit 1970 nicht allzu häufig, aber doch kontinuierlich auf den Theaterspielplänen vertreten sind, hat die germanistische Forschung bisher keine umfassende Interpretation des Werks gegeben." Mit seiner Dissertation (der ersten über Marieluise Fleißer in der Bundesrepublik) will der Autor diese Leerstelle auffüllen und, indem er einen neuen Heimatbegriff entwickelt, die Autorin einer spezifisch bayerischen Literatur-Tradition zuordnen. Die materialreiche Arbeit bezieht das gesamte Werk der Fleißer ein und vergleicht es immer wieder mit anderen Autoren: Ludwig Thoma, Oskar Maria Graf, Lena Christ, Wilhelm Drieß. Trotz manchmal ermüdender Wiederholungen und einer allzu laxen Definition der "Frauenliteratur", der Marieluise Fleißer hier zugerechnet wird, liefert der Autor sorgfältige und interessante Interpretationen und Analysen: vor allem zur "Eigenart sprachlicher Gestaltung" und zur "Darstellung der Jugend". (Europäische Hochschulschriften, Reihe I: Deutsche Literatur und Germanistik, Band 312, Peter D. Lang Verlag, Frankfurt/Bern; 254 S., 47 SFr.)

Manuela Reichart